Aktuell: Flüchtlinge | Zuwanderung Rhein-Main | Museumsuferfest | Regionale Startseite
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Meinung
Kommentare, Kolumnen, Analysen

15. Februar 2012

Kommentar zum Professoren-Urteil: Wider die Bildungssklaverei

 Von 
Motiviert, qualifiziert und ausgebeutet: Freie Dozenten.  Foto: picture-alliance

Das Urteil zu Professoren-Gehältern ist richtig, löst aber nicht das eigentliche Verteilungsproblem an den Unis: Auch weiterhin werden dort freie Dozenten mit Dumpinglöhnen abgespeist.

Drucken per Mail

Professoren müssen gerechter bezahlt werden, urteilt das Verfassungsgericht. Der Tenor: Es kann nicht sein, dass junge Profs in Hessen im Vergleich zu älteren so schlecht verdienen.

Das Urteil ist richtig, aber es löst das eigentliche Problem an den Universitäten nicht. Dort werden auch nach dem Urteil weiter Dumpinglöhne gezahlt an die, die in der Hierarchie weiter unten stehen. Gemeint ist das Heer an freien Dozenten, die teilweise Hauptseminare für weniger mehr als 20 Euro pro Stunde geben, mit Vor-und Nachbereitung bleibt ihnen weniger Stundenlohn als manchem Azubi.

Für manche dieser Billigkräfte ist Hartz IV schon ein finanzieller Aufstieg; sie tun sich die Arbeitsbedingungen nur aus Idealismus an oder weil sie auf eine Professorenstelle hoffen. Das kann besonders in Deutschland aber dauern; die Unis lassen sich Zeit mit der Berufung. Wieso sollten sie sich auch beeilen?

Bei den einen geht es um Luxus, bei den anderen um den Magen

Bei der Bezahlung der Professoren geht es um die Frage, ob die sich ein Reihenhaus leisten können oder ein Einfamilienhaus, einen alten Audi oder einen neuen Mercedes. Bei den Billiglöhnern geht es darum, ob am Ende des Monats noch ausreichend Gemüse im Kühlschrank ist.

Das alles ist so, weil das staatliche Bildungssystem sich zwischen Extremen bewegt. Die oben, also die Beamten, verdienen mehr, bekommen teils Ehe-und Kinderzuschläge, und wenn sie nicht gerade ihr Institut anzünden oder mit Minderjährigen anbandeln, hat die Uni kaum Möglichkeiten, sie wieder loszuwerden

Denen unten bleiben nur die Pflichten: Sie müssen sich selbst krankenversichern und von dem mickrigen Rest noch einmal ein Fünftel an die Rentenversicherung abdrücken.

Wenn sie ein Problem damit haben, muss die Uni sie nicht einmal feuern – es reicht schon, ihnen im nächsten Semester keine Aufträge zu geben. Was übrigens auch für viele Volkshochschule-Dozenten gilt, die de facto in Vollzeit arbeiten.

Die Politik sollte diesen Missstand schleunigst beheben. Allein schon deshalb, weil er die Qualität der Lehre gefährdet. Oder wollen wir, dass unsere Kinder von denen unterrichtet werden, die in der freien Wirtschaft keine Stelle bekommen?

70 Jahre Frankfurter Rundschau - unser Online-Dossier zum Jubiläum.

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Leitartikel

Zufriedenheit verpflichtet

Von  |

Die deutsche Mitte lebt – ungeachtet aller Krisen – in Wohlstand und relativ unbelastet von größeren Ängsten. Das ist eine gute Nachricht, denn: Wer viel hat, kann viel teilen.  Mehr...

Nato gegen Russland

Die Ära der Drohpolitik

Ein US-Kampfjet "F-22 Raptor" bei einer Nato-Übung über Polen.

Russland, die Nato und auch die Bundeswehr rüsten auf. Noch halten alle Seiten Maß, aber die Rüstungsspirale kann eine eigene Dynamik entwickeln. Der Leitartikel. Mehr...

Verlagsveröffentlichung


Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Videonachrichten Politik
Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Anzeige

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung