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Kommentar zum Professoren-Urteil: Wider die Bildungssklaverei

Das Urteil zu Professoren-Gehältern ist richtig, löst aber nicht das eigentliche Verteilungsproblem an den Unis: Auch weiterhin werden dort freie Dozenten mit Dumpinglöhnen abgespeist.

Motiviert, qualifiziert und ausgebeutet: Freie Dozenten.
Motiviert, qualifiziert und ausgebeutet: Freie Dozenten.
Foto: picture-alliance

Professoren müssen gerechter bezahlt werden, urteilt das Verfassungsgericht. Der Tenor: Es kann nicht sein, dass junge Profs in Hessen im Vergleich zu älteren so schlecht verdienen.

Das Urteil ist richtig, aber es löst das eigentliche Problem an den Universitäten nicht. Dort werden auch nach dem Urteil weiter Dumpinglöhne gezahlt an die, die in der Hierarchie weiter unten stehen. Gemeint ist das Heer an freien Dozenten, die teilweise Hauptseminare für weniger mehr als 20 Euro pro Stunde geben, mit Vor-und Nachbereitung bleibt ihnen weniger Stundenlohn als manchem Azubi.

Für manche dieser Billigkräfte ist Hartz IV schon ein finanzieller Aufstieg; sie tun sich die Arbeitsbedingungen nur aus Idealismus an oder weil sie auf eine Professorenstelle hoffen. Das kann besonders in Deutschland aber dauern; die Unis lassen sich Zeit mit der Berufung. Wieso sollten sie sich auch beeilen?

Bei den einen geht es um Luxus, bei den anderen um den Magen

Was die Deutschen verdienen

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Bei der Bezahlung der Professoren geht es um die Frage, ob die sich ein Reihenhaus leisten können oder ein Einfamilienhaus, einen alten Audi oder einen neuen Mercedes. Bei den Billiglöhnern geht es darum, ob am Ende des Monats noch ausreichend Gemüse im Kühlschrank ist.

Das alles ist so, weil das staatliche Bildungssystem sich zwischen Extremen bewegt. Die oben, also die Beamten, verdienen mehr, bekommen teils Ehe-und Kinderzuschläge, und wenn sie nicht gerade ihr Institut anzünden oder mit Minderjährigen anbandeln, hat die Uni kaum Möglichkeiten, sie wieder loszuwerden

Denen unten bleiben nur die Pflichten: Sie müssen sich selbst krankenversichern und von dem mickrigen Rest noch einmal ein Fünftel an die Rentenversicherung abdrücken.

Wenn sie ein Problem damit haben, muss die Uni sie nicht einmal feuern – es reicht schon, ihnen im nächsten Semester keine Aufträge zu geben. Was übrigens auch für viele Volkshochschule-Dozenten gilt, die de facto in Vollzeit arbeiten.

Die Politik sollte diesen Missstand schleunigst beheben. Allein schon deshalb, weil er die Qualität der Lehre gefährdet. Oder wollen wir, dass unsere Kinder von denen unterrichtet werden, die in der freien Wirtschaft keine Stelle bekommen?

Datum:  15 | 2 | 2012
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