Das Urteil zu Professoren-Gehältern ist richtig, löst aber nicht das eigentliche Verteilungsproblem an den Unis: Auch weiterhin werden dort freie Dozenten mit Dumpinglöhnen abgespeist.
Motiviert, qualifiziert und ausgebeutet: Freie Dozenten.
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Motiviert, qualifiziert und ausgebeutet: Freie Dozenten.
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Professoren müssen gerechter bezahlt werden, urteilt das Verfassungsgericht. Der Tenor: Es kann nicht sein, dass junge Profs in Hessen im Vergleich zu älteren so schlecht verdienen.
Das Urteil ist richtig, aber es löst das eigentliche Problem an den Universitäten nicht. Dort werden auch nach dem Urteil weiter Dumpinglöhne gezahlt an die, die in der Hierarchie weiter unten stehen. Gemeint ist das Heer an freien Dozenten, die teilweise Hauptseminare für weniger mehr als 20 Euro pro Stunde geben, mit Vor-und Nachbereitung bleibt ihnen weniger Stundenlohn als manchem Azubi.
Für manche dieser Billigkräfte ist Hartz IV schon ein finanzieller Aufstieg; sie tun sich die Arbeitsbedingungen nur aus Idealismus an oder weil sie auf eine Professorenstelle hoffen. Das kann besonders in Deutschland aber dauern; die Unis lassen sich Zeit mit der Berufung. Wieso sollten sie sich auch beeilen?
Bei den einen geht es um Luxus, bei den anderen um den Magen
Was die Deutschen verdienen
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Was die Deutschen verdienen
Das Gehalt der Minister orientiert sich wie Merkels an der Beamtenbesoldungsgruppe B11, allerdings bekommen sie ein Drittel weniger Zum Beispiel Philipp Rösler: Der Wirtschaftsminister hat Anspruch auf monatlich 15.764,55 Euro brutto, plus Aufwandsentschädigungen, eventuelle Tagesgelder oder Entschädigungen für Reisekosten.
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Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann steht gehaltstechnisch seit Jahren an der Spitze der Konzernspitzen in Deutschland. 2009 strich er 9,55 Millionen Euro ein.
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Was Ackermanns rechte Hand verdient, wissen wir nicht. Doch Vorstandsekretäre beim Ölkonzern Shell bekommen laut WSI 4.569 Euro brutto im Monat.
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Schauspieler Til Schweiger hat sicher genug zum Leben - im Gegensatz zum Großteil seiner Kollegen. Laut Künstlersozialkasse verdienen Schauspieler in Deutschland im Schnitt gerade mal 12.767 Euro im Jahr - das liegt unter dem Existenzminimum.
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Hart verdient: Ein Altenpfleger bekommt laut dem WSI-Tarifarchiv zufolge in Deutschland zwischen 1.762 und 2.311 Euro brutto.
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Besser dran sind die Bierbrauer: Sie bekommen zwischen 2.554 und 3.080 Euro, je nach Region. Am besten wird in Bayern gezahlt.
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Verkäufer im Einzelhandel müssen auf Schnäppchen hoffen: Bei einem Bruttogehalt zwischen 1.582 und 2.248 Euro etwa in Nordrhein-Westfalen ist kaum mehr drin.
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Über Ärztehonorare wird ständig gestritten. Zu recht? Laut Kassenärztlicher Betriebsvereinigung erhielten niedergelassene Hausärzte 2009 im Schnitt 206.368 Euro Honorar im Jahr. Davon bleiben jedoch der KBV zufolge nach Abzug von Praxiskosten, Steuern und Abgaben weniger als 4.000 Euro netto im Monat.
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Fachärzte in den Kliniken gehören jedenfalls zu den Spitzenverdienern in Deutschland: Zwischen 5.332 und 6.162 Euro bekommen sie im Monat, für Ärzte in leitenden Funktionen werden bis zu 8.825 Euro brutto gezahlt.
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Im europäischen Vergleich liegen die Gehälter deutscher Lehrer im vorderen Drittel. Laut einer Studie der EU-Kommission verdient ein Grundschullehrer in Deutschland zwischen 38.200 Euro und 51.400 Euro im Jahr - je nach Berufsalter. In der Mittelstufe liegt der Verdienst zwischen 42.200 und 57.900 Euro, in der Oberstufe sind es zwischen 45.400 und 64.000 Euro. Die Spanne reicht also von 3.183 bis 5.333 Euro monatlich.
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Grund zum Jubeln: Bundesliga-Fußballer gehören in Deutschland zu den Spitzenverdienern. Zum Beispiel der Brasilianer Chris. Als der 2010 seinen Vertrag bei der Frankfurter Eintracht verlängerte, wurde sein Jahresgehalt auf 2 Millionen Euro geschätzt. Im Ligavergleich ist das allemal gehobener Durchschnitt.
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Wer schreibt, der bleibt? Nicht ganz. Für Autoren gibt es in Deutschland nicht viel zu verdienen, 16.983 Euro im Jahr sind es durchschnittlich.
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Die Friseure gehören zu den schlechtbezahltesten Fachkräften überhaupt. Eine Friseurin in Sachsen bekommt laut Tarif zwischen 615 und 755 Euro - im Monat.
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Akademiker, die promoviert haben, verdienen in Deutschland rund 2,5 mal so viel wie ausgebildete Fachkräfte. Ein Beispiel: die Ingenieure. Sie verdienen im Schnitt 4.125 Euro brutto im Monat.
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Gehören mit einem Bruttogehalt von maximal 1.914 Euro zu den Niedriglöhnern: die Gebäudereiniger.
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Filme satt, aber dafür wenig Geld: Die Monatslöhne von Filmvorführern schwanken zwischen 1.549 und 1.965 Euro brutto.
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42.535 Euro brutto hat der deutsche Arbeitnehmer 2010 im Durchschnitt verdient. Laut Statistischem Bundesamt waren die Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen jedoch enorm.
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Besonders üppig fielen die Gehälter bei den Banken und Versicherungen aus: 60.963 Euro jährlich gab es hier im Schnitt für einen Vollzeitjob.
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Schlusslicht im Branchenvergleich ist das Gastgewerbe mit einem Durchschnittslohn von 24.012 Euro im Jahr 2010.
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Was verdienen die Deutschen? Bei ihrer Regierungschefin lässt sich das klar beantworten. Laut Bundesministergesetz stehen Angela Merkel derzeit monatlich 19.705,68 Euro zu. Hinzu kommen Dienstaufwandsentschädigungen und eine Amtswohnung.
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Linkspartei in der Krise
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Bei der Bezahlung der Professoren geht es um die Frage, ob die sich ein Reihenhaus leisten können oder ein Einfamilienhaus, einen alten Audi oder einen neuen Mercedes. Bei den Billiglöhnern geht es darum, ob am Ende des Monats noch ausreichend Gemüse im Kühlschrank ist.
Das alles ist so, weil das staatliche Bildungssystem sich zwischen Extremen bewegt. Die oben, also die Beamten, verdienen mehr, bekommen teils Ehe-und Kinderzuschläge, und wenn sie nicht gerade ihr Institut anzünden oder mit Minderjährigen anbandeln, hat die Uni kaum Möglichkeiten, sie wieder loszuwerden
Denen unten bleiben nur die Pflichten: Sie müssen sich selbst krankenversichern und von dem mickrigen Rest noch einmal ein Fünftel an die Rentenversicherung abdrücken.
Wenn sie ein Problem damit haben, muss die Uni sie nicht einmal feuern – es reicht schon, ihnen im nächsten Semester keine Aufträge zu geben. Was übrigens auch für viele Volkshochschule-Dozenten gilt, die de facto in Vollzeit arbeiten.
Die Politik sollte diesen Missstand schleunigst beheben. Allein schon deshalb, weil er die Qualität der Lehre gefährdet. Oder wollen wir, dass unsere Kinder von denen unterrichtet werden, die in der freien Wirtschaft keine Stelle bekommen?