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Kommentar zum US-Truppenabzug: Amerika hat genug

Der Rückzugsbefehl ist nicht das Ergebnis nachhaltiger strategischer Erfolge. Die USA haben nach zehn Kriegsjahren schlicht nicht mehr die Kraft und den Willen, in Afghanistan unbefristet gewaltige Ressourcen zu investieren.

Natürlich hat Barack Obama über die wahre Lage in Afghanistan nicht die volle Wahrheit gesagt. Amerikas Rückzug vom Hindukusch erfolge aus einer Position der Stärke heraus, behauptet der US-Präsident. Zwar hat die Ende 2009 befohlene Truppenverstärkung die militärische Dynamik verändert. Vor allem im Süden Afghanistans wurden die Taliban zurückgedrängt. Obamas Generäle aber wollten noch zwei Sommer abwarten, bevor ein ernsthafter Rückzug beginnt. Sie wissen, dass die hart erkämpften Fortschritte fragil sind.

Wer soll etwa in den Unruheprovinzen Helmand oder Kandahar eine Rückkehr der Taliban verhindern, wenn US-Soldaten abziehen? Und warum sollten die Islamisten sich jetzt noch an den Verhandlungstisch setzen, wenn das militärische Kräfteverhältnis sich schon bald zu ihren Gunsten verschiebt? Tatsächlich ist der Rückzugsbefehl für zunächst 33000 GIs nicht das Ergebnis nachhaltiger strategischer Erfolge. Die USA haben nach zehn Kriegsjahren schlicht nicht mehr die Kraft und den Willen, in Afghanistan unbefristet gewaltige Ressourcen zu investieren.

120 Milliarden Dollar pro Jahr kostet dieser Krieg. Daheim drücken die Weltmacht enorme Schulden und eine lähmende Arbeitslosigkeit. Spätestens seit dem Tod Osama bin Ladens will eine Mehrheit im US-Volk den Krieg beenden. Der Präsident sucht einen Mittelweg. Wer glaubt, der Westen könne Afghanistan stabilisieren, würde nur zwei weitere Jahre der militärische Druck aufrechterhalten, mag ihm Vorwürfe machen. Eine Garantie aber gibt es dafür so wenig, wie jetzt der Zusammenbruch folgen muss. Afghanistans Zukunft liegt in der Hand der Afghanen.

Datum:  24 | 6 | 2011
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US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


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