Aktuell: Terror | US-Wahl | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Zuwanderung Rhein-Main
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Meinung
Kommentare, Kolumnen, Analysen

21. Februar 2013

Kommentar zur "Pille danach": Der Streit ist ideologisiert

 Von 
Kardinal Meisner avanciert zum Lieblingsfeind der "Lebensschützer".  Foto: dpa

Die deutschen Bischöfe erlauben die "Pille danach", behängen ihre Haltung aber mit einer Girlande von "Wenn, dann"-Sätzen. Kardinal Meisner muss sich wütender Angriffe sogenannter "Lebensschützer" erwehren.

Drucken per Mail

Es ist der Fluch der guten Tat: Kaum hat der Kölner Kardinal Joachim Meisner die „Pille danach“ im Fall einer Vergewaltigung für zulässig erklärt und damit einen erfreulich klaren, am Prinzip der Nothilfe und am Wohl des Opfers  orientierten Standpunkt bezogen, müssen die Bischöfe wieder das große Rudern beginnen.

Die genaue Wirkung des Präparats scheint wissenschaftlich weniger eindeutig erwiesen zu sein, als das für die ethische Bewertung wünschenswert wäre. [Wenn die „Pille danach“ nämlich eine Abtreibung im frühesten Stadium zur Folge hat, dann darf sie aus katholischer Sicht nicht eingesetzt werden – um des Schutzes des Lebens willen

Die deutschen Bischöfe haben sich wabernd aus der Affäre gezogen, indem sie ihre „einstimmige“ Haltung, die Meisners Linie folgt, mit einer Girlande von „Wenn, dann“-Sätzen behängen. Entscheidend aber ist dabei, dass sie die Verantwortung im Einzelfall bei den Ärzten und den betroffenen Frauen sehen, deren Gewissensentscheidung respektieren und sich selbst nicht als Moralapostel im OP aufführen wollen.

Das müssen sie jetzt nur noch gegen die wütenden Angriffe der sogenannten „Lebensschützer“ durchhalten, für die neuerdings ausgerechnet Kardinal Meisner, sonst ihr vielleicht engster Verbündeter in der Bischofskonferenz,  zum Lieblingsfeind avanciert ist. So schnell wechseln die Vorlieben und Loyalitäten. Meisner muss sich nun gewissermaßen von rechts überholen lassen, weil er sich links an der Leitplanke der Nächstenliebe entlang bewegt hat.

Das ist besonders bemerkenswert. Es zeigt, dass der Streit über die „Pille danach“ ideologisiert ist. Wie so viele Debatten in der Kirche. Wahrscheinlich braucht es einfach mehr gute Taten.

[ Wie wollen wir wohnen? Die neue FR-Serie - jetzt digital oder gedruckt vier Wochen lang ab 19,50 Euro lesen. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Österreich und die Folgen

Mehr Politik wagen

Von  |
Von Adenauer bis Merkel: In der Politik herrscht das Geschacher und Kleinklein. Es fehlen die Visionen.

Alle suchen nach Mitteln gegen Rechtspopulisten. Das einfachste ist: Probleme benennen, Lösungen erarbeiten und umsetzen. Oder blumiger: Es sind Visionen nötig. Der Leitartikel. Mehr...

Österreich

Ein Sieg des letzten Aufgebots

Van der Bellen wurde nicht nur von Grünen gewählt, auch Konservative gingen für ihn an die Urne, um Hofer zu verhindern.

Die Wahl Alexander van der Bellens zum österreichischen Präsidenten hat das Land nicht grundlegend verändert. Der Kampf gegen die Ultrarechten fängt jetzt richtig an. Der Leitartikel. Mehr...

Verlagsveröffentlichung


Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Videonachrichten Politik
Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Anzeige

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung