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Kommentar zur Bahn-Tarifeinigung: Der teure, schnelle Kompromiss

Bahn und Gewerkschaften brauchten eine schnelle Einigung. Die deutlich höheren Löhne freuen die Beschäftigten. Bezahlen müssen sie bald die Reisenden. Von Frank Thomas Wenzel

Frank-Thomas Wenzel ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Frank-Thomas Wenzel ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Ein bisschen Warnstreik genügte, um einen Tarifvertrag für die Bahn-Bediensteten herauszuholen, der eine kräftige Reallohnsteigerung bedeutet - vielleicht wird es der höchste Tarifabschluss des gesamten Jahres. Er kam jedenfalls unter ganz besonderen Umständen zustande.

Bahnchef Hartmut Mehdorn ist schwer angeschlagen. Er hat's mit einer monströsen Bespitzelungsaffäre zu tun, mit massiven technischen Problemen an ICE-Zügen, mit einem Einbruch im Güterverkehr und, und, und.

Einen Streik von ähnlicher Güte wie der Arbeitskampf der Lokführer anno 2008 hätte die Bundesregierung nicht akzeptiert. Das wäre definitiv Mehdorns Ende als Chef des Staatskonzerns gewesen.

Doch auch die Gewerkschafter brauchten eine schnelle Einigung: Die Krise frisst sich immer schneller durch die globale Wirtschaft. Das drückt die Erträge des globalen Logistikers Bahn und schwächt die Verhandlungsposition der Gewerkschaften. Und ein Streik um zehn Prozent mehr Geld in Zeiten, da immer mehr Menschen um ihre Jobs bangen, hätte die öffentliche Meinung gegen Transnet, GDBA und GdL aufgebracht.

Doch die traute Einigkeit bei der Bahn darf nun nicht auf dem Rücken der Fahrgäste ausgetragen werden - so wie früher, als höhere Löhne in teurere Fahrkarten umgemünzt wurden. Die Bahn muss vor allem im Verkehr in den Ballungsgebieten künftig eine wichtigere Rolle spielen. Das geht nur mit günstigen Tickets.

Die Bahn muss ihre Renditeziele herunterschrauben. Das ist auch eigentlich kein Problem. Sie muss keine Investoren mehr überzeugen. Der Börsengang ist zum Glück auf den St. Nimmerleinstag verschoben.

Autor:  FRANK-THOMAS WENZEL
Datum:  2 | 2 | 2009
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