Die CDU als neue Avantgarde der Anti-AKW-Bewegung? Der smarte Norbert Röttgen als ihr Anführer? Nein, so weit sind das Land und seine Volkspartei Nummer eins wohl (noch) nicht. Die Energiekonzerne und ihre schwarz-gelben Fans müssen sich vorerst keine Sorgen machen; die Betonung liegt auf vorerst.
Einen Monat nach Bildung der Koalition aus Union und FDP hat der frischgebackene Bundesumweltminister mit wenigen Interviewsätzen gleich mehrere Botschaften unters Volk gebracht. Kernenergie könne man auf Dauer nur nutzen, wenn eine Mehrheit der Menschen sie akzeptiere. So naheliegend Röttgens Erkenntnis ist, so selten ist sie von den Meinungsführern in der Union bisher vertreten worden. Und auch der Folgesatz des Amtsneulings - nämlich, dass sich an jener verbreiteten Ablehnung der Atomkraft "auch nichts mehr ändern" werde - ist bemerkenswert; insofern, als man nämlich dann jenen schwarz-gelben Ankündigungen glatt trauen könnte, wonach die Kernenergie nur eine "Brücke" in die AKW-freie Zukunft bilden solle.
Letzteres bleibt von jetzt an zu beweisen. Röttgen für seinen Teil hat gleich nach Amtsbeginn einen Pflock eingeschlagen: Die Meinungsführerschaft, bei weitem nicht nur beim Thema Energie, liegt im Umweltressort, das demnächst ohnehin eine größere Rolle spielen wird. Der Stratege Röttgen dürfte mit seinem persönlichen Ausstiegsszenario der Koalition und auch seiner Partei jetzt eine muntere Diskussion bescheren. Dass er sich dabei zumindest der wohlwollenden Billigung seiner Chefin Angela Merkel sicher sein kann, ist anzunehmen. Die war übrigens auch mal Umweltministerin.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
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