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Kommentar zur Linken: Vereint in der Opferrolle

Nur in der Opferrolle präsentiert sich die Linkspartei als Einheit, aber im Moment der strittigen Entscheidung flüchtet sie in die Enthaltung. Lange wird das nicht mehr reichen.

Stephan Hebel ist Textchef der Frankfurter Rundschau.
Stephan Hebel ist Textchef der Frankfurter Rundschau.
Foto: fr

Das geht nur bei der Linkspartei: dass der saarländische Fraktionsvorsitzende als bundespolitischer Wortführer auftritt. Hier heißt der saarländische Fraktionsvorsitzende Oskar Lafontaine. Der weiß ja vieles besser als alle anderen, und so war er es wohl, der das Werben der SPD um Stimmen für Joachim Gauck am Dienstagabend endgültig beschied: "Das würde uns zerreißen."

Die diversen Doppelspitzen der Partei durften in dieser entscheidenden Phase der Bundespräsidentenwahl als Statisten fungieren. Gestern durften sie dann dafür Geschlossenheit demonstrieren, und zwar mit den gleichen Argumenten wie immer: Uns hat keiner gefragt. Uns will man zwingen, gegen die eigene Überzeugung zu stimmen. Kurz: Wir sind ausgegrenzt worden, wie immer.

Lange wird das nicht mehr reichen. Sich nur in der Opferrolle als Einheit zu präsentieren, aber im Moment der strittigen Entscheidung in die Enthaltung zu flüchten - das wird auf Dauer nicht mal denjenigen Wählern genügen, die das Gefühl des Ausgegrenztseins aus ihrer Lebenswirklichkeit kennen und teilen.

Oskar Lafontaine hatte nur teilweise recht: Eine Empfehlung der Spitze, Gauck zu wählen, hätte die Partei nicht "zerrissen", sondern ihre Zerrissenheit sichtbar gemacht. Ob man sich öffnen soll für begrenzte Kooperation auch über unterschiedliche Sachpositionen hinweg, oder ob man sich weiter im "Alle gegen uns, wir gegen alle" verschanzt - diesen Streit haben die Linken auch anlässlich der Präsidentenwahl nicht ausgetragen, nicht mal auszutragen begonnen. Das werden sie "den anderen" auf Dauer nicht vorwerfen können.

Autor:  Stephan Hebel
Datum:  2 | 7 | 2010
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