Im Jahre 2007 ging der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach mit einer Studie an die Öffentlichkeit, deren Ergebnis öffentlich für viel Empörung sorgte: Privatversicherte würden bei der Vergabe von Spenderorganen bevorzugt. Der Politiker stützte sich dabei auf Daten, die die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) auf der Basis von Meldungen der Transplantationszentren veröffentlich hatte.
Die Zahlen schienen zu zeigen, dass Privatversicherte mehr Organe bekamen, als es ihrem Bevölkerungsanteil entsprach. Später stellte sich allerdings heraus, dass die Patienten zum Teil falsch in die Kategorien „gesetzlich“ und „privat“ eingruppiert wurden. Der Vorwurf ließ sich so also nicht halten.
Nun hat sich der Grünen-Politiker Harald Terpe erneut mit diesem Sachverhalt auseinandergesetzt und dazu aktuelle Zahlen studiert. Und er entdeckte zumindest Auffälligkeiten. Wieder liegt der Vorwurf in der Luft, Privatversicherte würden schneller an ein Organ kommen als Kassenpatienten. Inzwischen werden die Patientendaten korrekt erfasst, hier kann also eigentlich keine Fehlerquelle mehr liegen. Ursache für die von Terpe beschriebenen Abweichungen könnten allerdings auch statistische Effekte sein. Schließlich vergleicht Terpe die aktuelle Wartliste mit den tatsächlich vorgenommenen Transplantationen des Jahres 2011.
Die Berechnungen des Grünen-Politikers sind längst kein überzeugender Beweis, was auch Terpe nicht behauptet. Doch Zweifel bleiben. Sie müssen unbedingt ausgeräumt werden, vollständig und schnell. Denn die Bevölkerung hat nicht erst seit dem Bekanntwerden der Skandale von Göttingen und Regensburg das ungute Gefühl, dass es bei der Organvergabe irgendwie nicht gerecht zugeht. Das ist am wahrsten Sinne des Wortes tödlich für ein System, welches auf Altruismus setzt.
Doch der enttäuschend verlaufene Gipfel bei Gesundheitsminister Daniel Bahr Ende August hat leider gezeigt, dass die Verantwortlichen noch immer nicht begriffen haben, wie dramatisch der Vertrauensverlust in der Bevölkerung inzwischen ist. Kleinere kosmetische Eingriffe reichen da längst nicht mehr aus.
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