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03. Dezember 2013

Kommentar zur Prostitution : Fucking shame

 Von 
Straßenprostitution ist in Deutschland eher die Ausnahme. Dafür blüht das Geschäft anderswo.  Foto: REUTERS

Heute ins Kino oder in den Puff? Prostitution blüht in Deutschland auch deshalb, weil Werbung für Bordelle allgegenwärtig ist. Das müssen wir uns nicht gefallen lassen.

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Manchmal schaue ich auf dem Weg zur Arbeit auf den Boden, um mich nicht aufzuregen.  Die Woche vor der Bundestagswahl  war so eine Zeit, da durfte die NPD halb Offenbach mit ihren Parolen zumüllen. Beruhigt haben mich die Wahlprognose (mickrig) und die Aussicht, dass die Beleidigungsfreiheit der Faschisten mit dem Wahltag endet.

Inzwischen bestimmen nicht mehr Wahlplakate die Bieberer Straße, sondern Werbung für Puffs – getarnt als FKK-Club oder mit weihnachtlich dekorierter halbnackter Blondine ("X-Mas-Party"). Ähnlich wirbt Leuchtreklame am Offenbacher Hauptbahnhof und in Sachsenhausen.

Ist das ein Problem? Ich finde: Ja. Es ist ja nicht so, dass ich den Anblick von ein paar Brüsten nicht ertragen kann. Ich finde aber, dass weniger Prostitution besser ist als mehr. Es gefällt mir nicht, dass man den Körper von 18-Jährigen für den Preis eines guten Essens minutenweise kaufen kann, weil die Mädchen arm sind. Es gefällt mir nicht, dass Leute dadurch reich werden.  Und ich finde es einen schäbigen Zustand für die Männer, die sich Intimität vorgaukeln lassen wie Raucher von dem Marlboro-Mann das Gefühl, frei zu sein.

Geld stinkt nicht

Werbung aber heizt das Geschäft an, das gilt auch für Bordelle. Mit jedem Werbeplakat vor dem Bahnhof kommen ein paar Freier mehr, und jeder von ihnen schämt sich vermutlich etwas weniger. Wer so selbstverständlich im öffentlichen Raum wirbt, der kann so schlimm ja nicht sein.  (Manche Städte verfahren da offenbar nach dem Motto, dass Geld nicht stinkt).

Das hier ist kein Plädoyer für ein generelles Berufsverbot. Es gibt wohl genauso viele gute Gründe gegen ein Verbot von Prostitution wie dafür. Aber muss das bedeuten, dass wir  diese vielleicht brutalste Form des Kapitalismus als ganz normal akzeptieren? Wird es normal, dass Jugendliche mal zur Gangbang-Party fahren statt ins Kino?

Der Rückgang des Rauchens zeigt, dass es möglich ist, ein Übel durch gesellschaftliche Ächtung auf ein erträgliches Maß zu begrenzen. Werbeverbote, Raucherboxen, „Krebs“-Warnungen: All das macht das Rauchen unattraktiver, es ist eine gute Alternative zu der Keule eines totalen Verbots.  

In den letzten Jahren ging die Politik aber einen ganz anderen Weg, eine Legitimierung  der Prostitution wie in Deutschland ist weltweit fast einzigartig.  „Ein riesiges teutonisches Bordell“, schreibt der britische Economist über unser Land, ausländische Besucher können mit dem Reisebus Ausflüge ins Sexparadies buchen. Reichstag in Berlin, Neuschwanstein in Bayern, ficken in Frankfurt. Ist es das, was wir meinen, wenn wir sagen, wir wollen ein offenes Land sein?

 

 

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