Platzt jetzt die grüne Blase? Über Monate sahen alle fassungslos zu, wie die Umfragewerte der Grünen stiegen und stiegen. Zeitweise gab jeder Fünfte an, er würde für die Ökopartei stimmen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre. Würde, wäre, könnte: Nun liegt der erste echte Wahlsonntag hinter uns – und da, in Hamburg, verbesserten sich die Grünen kaum, flogen aus der Regierung. Höhenflug? Pustekuchen. In derselben Nacht verließen sie die Hartz-IV-Verhandlungen, die prompt im Kompromiss endeten. Flucht aus der Verantwortung, hieß es sofort.
Verpassen die Grünen im März auch noch, in den Landtag von Sachsen-Anhalt zu springen und die CDU-Regierung in Stuttgart abzulösen, wird man im Rückblick sicher sagen: Die Entzauberung der Grünen begann mit der Hamburg-Wahl.
Allerdings wäre das ein reichlich simpler Blick auf Politik. De facto sind die Vorzeichen teils entgegengesetzt: In Hamburg nutzte eine starke SPD die Wechselstimmung auch gegen die Grünen, in Stuttgart können nur starke Grüne Wechselstimmung befriedigen. In Magdeburg spielen sie bisher keine Rolle und müssen, wie wenig später in Mainz, vor allem SPD-Wähler abspenstig machen.
Die Grünen kommen als Partei nun an den Punkt, wo sie eigenständig agieren müssen – oft genug gegen die SPD. Das erklärt, wieso sie aus Überzeugung bei Hartz IV von der Seite der SPD wichen. Es mag riskant sein, so auf eigene Rechnung zu spielen. Aber jüngst erklärten die Analysten noch mit genau diesem Kurs den Höhenflug der Grünen. Verjagt er nun jene, die sich ohne klare politische Gründe zu ihnen bekannten, kann das ihren Inhalten nur guttun.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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