Der Kanzlerkandidat? Kein Thema vor Jahresende. Die vielbeschworene Troika? Fürs erste auf Tauchstation. Selbst mit drei Männern will es der SPD nämlich nicht gelingen, den Nimbus der Kanzlerin zu brechen. Mag der von Angela Merkel ausgewählte Bundespräsident die Gemüter noch so erregen, ihr Spardiktat die Europäer ärgern – in Umfragen legt die CDU-Politikerin zu.
Insofern ist die Strategie der SPD, die schwarz-gelbe Regierung vor allem inhaltlich anzugreifen, verständlich. Ein Selbstläufer ist sie gleichwohl nicht. Mit Merkels Schwenk in der Atompolitik ging den Genossen schon ein Mobilisierungsthema verloren. Für Mindestlöhne macht sich die Union neuerdings auch stark. In der Euro-Krise ist das ökonomisch gut begründete Plädoyer der Sozialdemokraten für milliardenteure Aufbauprogramme in Griechenland oder Italien hierzulande kaum populär. Die Finanztransaktionssteuer wiederum gefällt jetzt auch Merkel.
Viel wird für die Sozialdemokraten davon abhängen, ob sie die Wähler überzeugen können, dass die Union viele Positionen nur aus taktischen Gründen besetzt, die SPD hingegen ehrlich für die Ziele streitet. Letztlich geht es also um eine Frage der Glaubwürdigkeit. Die aber werden die Bürger kaum abschließend zugunsten der SPD beantworten, solange sie nicht wissen, welcher Kandidat dort für das Programm steht.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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