Selbstverständlich ist das nicht, was in den letzten Wochen in den Tarifauseinandersetzungen geschehen ist. Nach dem historischen Einbruch der Wirtschaft ist es nicht zu scharfen Konflikten, Massenstreiks und "sozialen Unruhen" gekommen, vor denen noch vor Monaten DGB-Chef Sommer und andere gewarnt hatten. Im Gegenteil: Gewerkschaften und Arbeitgeber haben sich schneller und geräuschloser als üblich auf Kompromisse verständigt.
Zuerst einigten sich die Metaller auf einen Lohnabschluss und Regeln zur Jobsicherung - ohne die sonst in dieser Branche übliche Warnstreikwelle. Der Abschluss kam extrem früh zustande. Wenn alles nach Plan gelaufen wäre, hätte die reguläre Tarifrunde erst im Frühjahr begonnen. Die Tarifparteien haben gezeigt, dass sie in der Lage sind, angemessen auf die historische Krise zu reagieren.
Auch die zweite große Tarifrunde Deutschlands ging erstaunlich zügig über die Bühne. Die Vermutung mancher Beobachter, die Gewerkschaften im öffentlichen Dienst seien auf Krawall gebürstet, erwies sich als falsch. Auch hier haben Arbeitgeber und Gewerkschaften bewiesen, dass sie kompromissfähig sind. Die Sozialpartnerschaft, die auf Konsens ausgerichtet ist, blüht in der Krise auf.
Und was ist mit dem Ergebnis? Im öffentlichen Dienst haben sich kluge, keynesianisch orientierte Volkswirte einen höheren Abschluss gewünscht. Doch der war nicht durchsetzbar. Ein Streik wäre hochriskant gewesen. Womöglich hätte dies den Hardlinern im Arbeitgeberlager Auftrieb verschafft und die Öffentlichkeit gegen Verdi aufgebracht. Deshalb ist es vernünftig, dass die Gewerkschaften darauf nicht gesetzt haben.
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
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