Bisher ist nur Christian Wulff als Mann mit den zwei Ichs aufgefallen – er unterscheidet gern zwischen dem Bundespräsidenten und dem Menschen Wulff. Nun aber leidet offenbar auch Angela Merkel unter einer gespaltenen Persönlichkeit. Wie sonst käme sie auf die Idee, als Kanzlerin neutral auf den Wahlkampf in Frankreich zu schauen, als CDU-Vorsitzende aber an der Seite von Nicolas Sarkozy für dessen Wiederwahl zu kämpfen?
So sehr sich ihre beiden Funktionen formal auch unterscheiden mögen, Merkel bleibt Merkel, und sie ist im Ausland vor allem deutsche Regierungschefin. Wie eng dies zusammenhängt, zeigte ihr Auftritt am Montag. Sie reiste morgens als Kanzlerin zu Regierungsgesprächen nach Paris und trat abends mit Sarkozy im Fernsehen auf – als was nun?
Mit ihrer Parteinahme geht sie ein hohes Risiko ein, zu Lasten deutscher Interessen. Im Moment sieht alles danach aus, dass der Sozialist Francois Hollande im Frühjahr zum französischen Präsidenten gewählt wird. Merkel aber setzt auf den Sieg Sarkozys, weil sie so gut mit ihm harmoniert und er ihre Führungsrolle anerkannt hat. Hollande dagegen verweigert sie angeblich sogar einen Gesprächstermin. Dabei müsste sie gerade mit ihm ins Gespräch kommen, anstatt ihn zu düpieren. Das entspricht so gar nicht Merkels viel gerühmter Klugheit. Und es ist überhaupt nicht vom Ende her gedacht.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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