Die "Nacht der langen Messer" fand nicht statt. Nur rund zwei Stunden benötigten die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Gemeinschaft am Donnerstagabend, um sich über die Besetzung der beiden neuen Brüsseler Spitzen-Ämter zu verständigen. Keine Marathon-Sitzung, kein undurchsichtiger Kuhhandel. So etwas hat es bei vergleichbaren Anlässen bisher selten gegeben.
Das ist allerdings auch schon das beste, was man über den Donnerstagabend sagen kann. In zwei Wochen tritt der EU-Reformvertrag von Lissabon in Kraft - und das neue Europa erlebt einen Fehlstart. Die Personalentscheidungen sind enttäuschend. Die Gemeinschaft sucht sich Führungskräfte ohne Ausstrahlung, ohne Visionen, ja zum Teil sogar ohne einschlägige Erfahrung aus.
Da ist Herman Van Rompuy, der künftige ständige Ratspräsident. Der Belgier ist ein honoriger Mann, sein zerstrittenes Land hält er geschickt zusammen. Ein Schwergewicht in der Europapolitik ist er nicht, geschweige denn in der Weltpolitik. Die Staats- und Regierungschefs haben sich einen Verwalter ausgesucht. Aber keinen, der der ihnen im Namen der Gemeinschaft das Leben schwer machen könnte.
Noch enttäuschender ist die Berufung Catherine Ashton. Die künftige EU-Chefdiplomatin hat sich noch nie mit klassischer Außenpolitik beschäftigt. Seit einem Jahr ist sie EU-Handelskommissarin, aber auch in diesem Feld lernt sie noch. Für ihre Ernennung war entscheidend, dass sie den Sozialdemokraten angehört, aus Großbritannien kommt und dass sie eine Frau ist. Ob sie gut vernetzt ist und die wichtigen Leute kennt in den Regierungen der Welt, spielte keine Rolle.
Die EU möchte eigentlich schlagkräftiger auftreten, im Innern wie auf der internationalen Bühne. Schaut man auf Van Rompuy und Ashton, beschleicht einen das Gefühl, dass das so nichts wird.
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