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Kommentare: Tuvalu oder der Untergang

Der Klimagipfel in Kopenhagen gleicht bisher seinen Vorgängern aufs Ärgerlichste: gigantische Aufgabe, riesiger Aufwand, minimaler Output. Die Chefeinheizer USA und China müssen sich endlich bewegen. Von Joachim Wille

Joachim Wille ist Politikredakteur der Frankfurter Rundschau.
Joachim Wille ist Politikredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Wenn es in diesem Tempo weitergeht - na dann gute Nacht. Der Klimagipfel in Kopenhagen gleicht bisher seinen Vorgängern aufs Ärgerlichste: gigantische Aufgabe, riesiger Aufwand, minimaler Output. So gering waren die Erwartungen, dass man sich schon freut, eine Textgrundlage zu haben, mit der konkret verhandelt werden kann. Dabei sind es Multiple-Choice-Papiere, auf denen die richtigen CO2-Ziele und Milliarden-Summen erst noch angekreuzt werden müssen.

Immerhin: Es finden sich sogar Zahlen darin, die den Forderungen der Klimaforscher entsprechen. So könnte der Gipfel nun beschließen, den globalen Treibhausgas-Ausstoß bis 2050 um 95 Prozent zu verringern. Damit wäre man einigermaßen sicher, dass tolerable Erwärmungsgrenzen eingehalten würden.

Der Gipfel könnte. Wird er aber nicht. Denn wenn Obama, Wen, Medwedew, Merkel und Co. am Ende der Woche in Kopenhagen einen Deal machen, geht es nicht nur ums Klima, sondern auch um Industriepolitik, um Wiederwahlchancen, um Gesichtswahrung, also um alles Mögliche andere. Insofern ist es gut, dass die Aosis-Gruppe der kleinen Inselstaaten sich in der ersten Woche querstellte und so die Konferenzleitung nötigte, auch jene "Maximalforderungen" aufzunehmen, die Tuvalu, Barbados oder die Malediven vor dem Untergang retten würden.

Damit werden sie und die anderen armen Entwicklungsländer nicht durchkommen. Aber es könnte dazu beitragen, dass ein Kopenhagen-Vertrag mehr wird als ein Politdeal mit lauter Schlupflöchern. Vor allem die Chefeinheizer USA und China müssen sich bewegen. Es wird spannend.

Autor:  Joachim Wille
Datum:  14 | 12 | 2009
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