Die Entscheidung der Staatsanwaltschaft München I liest sich wie ein Freispruch erster Klasse. Die Ermittler lassen alle Vorwürfe gegen sechs Funktionäre der umstrittenen islamistischen Organisation Milli Görüs fallen. Keine Rede ist mehr von einer mafia-ähnlichen Vereinigung, die Terrorgruppen unterstütze. 19 Monate haben die Beamten Wohnungen durchsucht, Computer beschlagnahmt, Kontobewegungen ausgewertet. Am Ende konnten sie nicht einen Vorwurf erhärten. Nicht einen.
Daraus folgt, dass Milli Görüs entweder besonders klug und klandestin agiert und so in der Lage ist, selbst gewiefte Ermittler zu täuschen. Oder aber Milli Görüs ist längst nicht die gefährliche Organisation, als die sie der Verfassungsschutz darstellt.
Beide Befunde sind alarmierend, belegen sie doch krasse Unkenntnis über die islamische Szene. Deshalb sollte sich Thomas de Maizière überlegen, ob er Milli Görüs nicht doch zur Islamkonferenz zulässt. Der Dialog böte die Chance zu klären, was wirklich hinter der Gruppe steckt. Und geschadet haben Gespräche nie, im Gegenteil: Sie demonstrieren die Überlegenheit der Demokratie.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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