Zaghaft sollen die Münchner nicht gewesen sein. Schließlich habe man doch schon einmal ein Finale der Fußball-Weltmeisterschaft geschultert und also mehr Erfahrungen als die Berliner. Ein sonderlich freundliches Gespräch zwischen den Stadtoberen soll es im Vorfeld des Endspiels 2006 im Übrigen nicht gewesen sein. Schließlich ging es vielleicht nicht um Alles, wohl aber um Wirkungsmächtiges – um das eigene Image.
Keine Stadt der Republik, die sich nicht ständig Gedanken darüber macht, wie sie im öffentlichen Ansehen dasteht. München, da fällt vielen sofort die Stadt der Möglichkeiten ein: Von diesem Standort aus lasse sich eigene Freizeit in Windeseile facettenreich gestalten. Oder Köln, die Stadt die hartnäckig darüber wacht, dass nichts, aber wirklich auch gar nichts ihrem Dom zu nahe kommt. Das Sinnbild der Stadt möge weithin sichtbar bleiben. Oder vielleicht Blaubeuren. Nahezu jeder bringt mit dem Städtchen den stattlichen, auch ein bisschen gruseligen Blautopf in Verbindung. Oder Stuttgart, das sich über alle Lieblichkeit hinaus künftig auch als Hauptstadt des lautstarken Bürger-Engagements präsentieren kann. Welche Stadt man also nimmt – stets sehen sie sich in Konkurrenz zueinander und streichen Eigenwilliges heraus.
Das ist früher nicht anders gewesen, wie das Bemühen darum, Bad Frankfurt zu gründen, eindrucksvoll belegt. Es gab also Zeiten, in denen sich Frankfurt darum bemühte, Kurgäste zu gewinnen und sich als Stadt der Gemächlichkeit zu etablieren. Geworden ist daraus nichts. Und man muss wohl sagen, dass es gut so ist, dass die Kommune diese Entwicklung völlig verpasst hat. Genauso wie heute kein Mensch traurig darüber ist, dass Frankfurt das Image als Hauptstadt des Verbrechens los ist. Wie oft haben Großmütter in diesen Jahren ihre am Main studierenden Enkel angerufen, um sich zu vergewissern, dass aus der eigenen Familie niemand in irgendeine Schießerei in der Münchner Straße geraten sei.
Frankfurt hat verstanden. Die Stadt weiß heute um den Zusammenhang von Image und Identität. Über lange Jahrzehnte hinweg wusste man sich nach der Schmach durch die Preußen nicht selbst zu behaupten. Noch unter den Nazis versuchte sich die Kommune als „Stadt des Handwerks“. Und scheiterte wie früher als Bad Frankfurt.
Inzwischen allerdings wissen die Frankfurter ihre Tradition zu bestimmen, Bezüge auf frühere Zeiten in der Geschichte der Stadt zu nehmen und voller Freude daran zu erinnern, wie die Preußen früher auf „das Liberalennest“ schimpften. In dem Liberalennest wissen sie heute den Zusammenhang von Image und Identität zu denken, ohne Integration zu vergessen.