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Leitartikel: Beispiel Bockenheim

Mit einem Zentrum des Tanzes in Bockenheim tun sich nicht neue Konkurrenzen, wohl aber Perspektiven für die Metropolregion auf. Von Matthias Arning

Dr. Matthias Arning leitet die Stadtredaktion der Frankfurter Rundschau
Dr. Matthias Arning leitet die Stadtredaktion der Frankfurter Rundschau
Foto: FR

Das ist nicht gut für Offenbach. Hat der Kollege gleich gesagt, als er die Schlagzeile gesehen hat: "Weichenstellung für Bockenheim", das dürfte Horst Schneider, dem Oberhaupt der Nachbarstadt, nicht passen, was da jetzt in Bockenheim als Projekt von weitreichender Bedeutung realisiert werden könnte. Es ist vielleicht nicht gut für Offenbach, und womöglich stärkt es nicht den kommunalen Verbund in der Perspektive eines mit so genannten Leuchttürmen nicht gerade reich gesegneten Ballungsraums muss es nichts Schlechtes sein, was der Bundeskulturstiftung jetzt vorschwebt.

Denn außer Frage steht: Bockenheim braucht Akzentsetzungen, zieht die Universität in reichlich vier Jahren ab, steht mit der Erweiterung des Senckenbergmuseums die Stärkung des Kulturellen an dieser Ecke bevor. Nimmt man dazu den von der Hochschule für Musik erklärten Anspruch auf mehr Platz hinzu, verdichten sich die Argumente für Bockenheim als Ort der Kreativen.

Stadtoberhaupt Schneider dürften die Wegweisungen der Bundeskulturstiftung nicht gefallen. Nach wie vor schwärmt der Sozialdemokrat für den Standort Hafenmole, an dem sich neben der vergrößerten Hochschule für Gestaltung auch Platz für die Musikhochschule bieten würde. Deren Präsident Thomas Rietschel allerdings wollte von dieser Variante noch nie etwas wissen, weil seine Musiker und angehenden Fachlehrer unbedingt die Nähe zur Oper bräuchten.

Die Alternative Hafenmole oder Bockenheim ist im Grunde falsch formuliert. Weil sich an beiden Standorten kreative Potenziale entwickeln lassen regionale Potenziale, wohl gemerkt, wenn Grafiker und Texter in Offenbach, Musiker und Tänzer in Bockenheim zusammenfinden sollten.

Über das Anknüpfen Frankfurts an frühere Traditionen, Schwerpunkt des modernen Tanzes zu sein, entscheidet schlussendlich das Finanzministerium in Wiesbaden. Die Landesregierung hat zuletzt bei der Absage der Internationalen Bauausstellung keine glückliche Hand bewiesen, weil sie die Stärkung der Metropolregion zu Lasten des gesamten Landes gefürchtet hat. Mit Überlegungen dieser Art allerdings kommt man mittlerweile nicht mehr weiter. Vielmehr muss man deutlich sehen: Andere Ballungsräume richten sich besser auf neue Zeiten ein.

Die Frage, an der sich die Landesregierung orientieren sollte, ist also nicht die, was schlecht für Offenbach ist. Die Frage, die sich am Beispiel Bockenheim stellt, ist vielmehr, was gut für die gesamte Region ist. Die Antwort findet sich demnächst am ehesten in dem Reiseführer, der für den Ort des Tanzes an der Bockenheimer Warte wirbt.

Autor:  Matthias Arning
Datum:  29 | 7 | 2009
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