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Leitartikel: Bonames unter der Lupe

Beide Fälle haben nichts miteinander zu schaffen - außer der Tatsache, dass sie in einem Stadtteil spielen, der gegen einen schlimmen Ruf ankämpfen muss. Von Stefan Behr

Stefan Behr ist Lokalredakteur der Frankfurter Rundschau.
Stefan Behr ist Lokalredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Während vor dem Amtsgericht mal wieder einer der sogenannten Bonameser U-Bahn-Schläger auf der Anklagebank sitzt, rückt in Wiesbaden - zwei Tage, nachdem ein Mensch bei einem Polizeieinsatz in Bonames erschossen worden ist - das Landeskriminalamt langsam mit den ersten Informationen über den Fall hinaus.

Beide Fälle haben eigentlich nichts miteinander zu schaffen - außer der Tatsache, dass beide in einem Stadtteil spielen, der zunehmend gegen einen Ruf ankämpfen muss, den er nicht verdient hat.

Der Mann, den die Polizei erschossen hat, hätte die Nummer an jedem anderen Ort genauso durchziehen können. Er hat in der Tat vor Jahren einmal seine Nachbarin als Geisel genommen, um sich von den Beamten erschießen zu lassen - was misslang. Tatort war damals ein Taunusstädtchen, das sonst höchstens für Wirtschaftskriminalität berühmt ist. Die tödlichen Schüsse allerdings fielen jetzt in Bonames.

Auf der anderen Seite zeigte der Prozess gegen den noch ziemlich jugendlichen Bonameser aus dem Ben-Gurion-Ring, der nun schon seit geraumer Zeit Dauergast der Frankfurter Justiz ist, die Welt, in der sich Polizisten zumindest partiell in Bonames bewegen müssen.

Das ist nun wirklich eine Welt, in der Respekt gegenüber Polizisten ein Fremdwort ist, eine Welt, in der Jugendliche nach begangener Tat sich höchstpersönlich per Handy bei der Polizei melden, die Beamten als "Schwulis" und "Hurensöhne" beschimpfen und sie bitten, sie doch gleich vom Tatort abzuholen. Und dort rotzbesoffen die Beamten mit den Worten "Ihr könnt mir sowieso nichts" begrüßen - was, zumindest in der Vergangenheit, oft genug ja auch der Wahrheit entsprach.

Das alles aber steht in keinem Zusammenhang mit der Tötung eines Menschen bei einem Polizeieinsatz - das darf, wenn vermeidbar, nicht passieren. Möglicherweise hat die Polizei bei dem Einsatz schwere Fehler gemacht, ganz sicher war die Informationspolitik angesichts der Tragweite des Geschehens viel zu zögerlich. Transparenz hätte hier von Anfang an der Polizei gut zu Gesicht gestanden. Das Versäumte muss nun dringend nachgeholt und die Sache so rasch wie möglich aufgeklärt werden.

Und auch wenn der Stadtteil nichts dafür kann, dass sich jetzt wieder einige das Maul über ihn zerreißen werden, so taugt Bonames in diesen Tagen doch immerhin als Vergrößerungsglas, die das Augenmerk auf einen gesamtgesellschaftlichen Trend lenkt.

Einen Trend, der sich auch in anderen Stadtteilen beobachten lässt. Nur wird nirgendwo so genau hingesehen wie in Bonames.

Datum:  13 | 7 | 2010
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