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09. Juni 2008

Leitartikel: Das war Bush

 Von UWE VORKÖTTER
Dr. Uwe Vorkötter ist Chefredakteur der Berliner Zeitung.  Foto: FR

Bush wird uns als Präsident in Erinnerung bleiben, der die Welt in einen fatalen Krieg führte, Freiheit predigte und Guantánamo praktizierte. Von Uwe Vorkötter

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Das wird nichts mehr mit uns. George W. Bush und die Deutschen: Da ist keine Spur von Sympathie zu entdecken, kaum Respekt, wenig politische Gemeinsamkeit. Bush wird uns als Präsident in Erinnerung bleiben, der die Welt in einen fatalen Krieg führte, der seine Politik auf Lügen gründete, der Freiheit predigte und Guantánamo praktizierte. Wenn Angela Merkel ihn heute zum inoffiziellen Abschiedsbesuch empfängt, dann gibt es keinen Anlass, dem Gast eine Träne nachzuweinen. Wir dürfen erleichtert sein, den Mann mit dem einfachen Weltbild und dem verkniffenen Grinsen loszuwerden. Im November wird sein Nachfolger gewählt, im Januar zieht er ins Weiße Haus ein. Ob Obama oder McCain: Es kann nur besser werden.

In der Ära Bush ist die Welt dem Frieden nicht näher gekommen, im Gegenteil. Der Konflikt im Nahen Osten ist von einer Lösung weiter entfernt denn je, Israel lebt nicht sicherer als zuvor. Der Kulturkampf zwischen der westlichen und der moslemischen Welt ist eskaliert, die amerikanische Außenpolitik wird von Generälen statt von Diplomaten bestimmt. Ach ja, und Bin Laden lebt - irgendwo in den Bergen zwischen Afghanistan und Pakistan, fast sieben Jahre nach dem 11. September 2001. Seitdem hat der Krieg gegen den Terror viel mehr Opfer gefordert als der Terror selbst. Fazit: Bushs Jahre sind weltpolitisch vergeudete Jahre.

Nicht nur weltpolitisch. In dieser Zeit ist auch beträchtlicher Flurschaden in den deutsch-amerikanischen beziehungsweise den europäisch-amerikanischen Beziehungen angerichtet worden. Politische Kollateralschäden gewissermaßen, über die heute und morgen in Merkels Gästehaus in Meseberg sorgsam hinweggeredet wird. Man wird dort tief in die Vergangenheit eintauchen, an die Luftbrücke für Berlin erinnern und an den Marshallplan, ohne den das deutsche Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg nicht denkbar gewesen wäre. Danke, Amerika. Aber sechzig Jahre danach reicht es nicht, das Pathos der Vergangenheit zu pflegen und bei jedem runden Geburtstag die alten Geschichten neu aufzuwärmen. Es sei denn, man hält das Verhältnis zu Amerika ohnehin für eine Angelegenheit älterer Herrschaften, die in mehr oder weniger intellektuellen Zirkeln darüber sinnieren, warum Europa Amerika braucht und umgekehrt. Und dass der Untergang des christlichen Abendlandes nur gemeinsam zu verhindern ist.

Oder man geht an die Beziehungen zwischen Berlin und Washington heran wie die deutsche Kanzlerin. Angela Merkel hat in der gestrigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung einen bemerkenswerten Namensbeitrag veröffentlicht, in dem sie - nach dem pflichtgemäßen Marshallplan-Pathos - zur Sache kommt, beziehungsweise dazu, was aus ihrer Sicht Sache ist: Wir erfahren also, dass eine Vereinheitlichung der Sicherheitsstandards zwischen EU und USA die Produktionskosten von Automobilen um bis zu sieben Prozent verringern könnte, dass überhaupt allerlei Normen vereinheitlicht werden müssten, dass die europäischen Bilanzierungsregeln IFRS - unsere Kanzlerin kennt sich in den Details aus - von den Amerikanern jetzt anerkannt werden, dass bei der Einfuhr von amerikanischem Geflügelfleisch Kompromisse möglich sind … Hier schreibt nicht der Staatssekretär dem stellvertretenden Handelsbeauftragten, nein, hier geht es um Chefsachen. Skurril.

Der Ölpreis erreicht übrigens gerade beinahe tägliche neue Rekordmarken, was die Wirtschaft weltweit bedroht. Lebensmittel steigen dramatisch im Preis, was sozialen Sprengstoff in den armen Ländern bedeutet. Die internationale Finanzkrise, die von Amerika ausgeht, ist längst nicht überwunden. Über diese Fragen wäre eigentlich zu reden, vielleicht sogar noch einmal über die leidige Klimapolitik, aber darüber ist zwischen Merkel und Bush offenbar nicht zu reden. Nehmen wir zur Ehrenrettung der Kanzlerin an, dass das daran liegt, dass Bush jetzt jene lahme Ente ist, als die US-Präsidenten kurz vor Ablauf ihrer Amtszeit nun einmal tituliert werden - praktisch entscheidungsunfähig, nicht mehr ganz ernst zu nehmen. Dann können wir immerhin auf Besserung hoffen, ab November, spätestens ab Januar 2009.

George W. Bush als "lame duck" - diese Vorstellung hat letztlich auch Vorteile. Der Präsident hat oft damit gedroht, nach dem Irak-Krieg seine Version von Frieden und Freiheit auch in den Iran zu bringen. Aber oops, er kann es nicht noch einmal tun. Weil seine Zeit bald vorbei ist. Endlich.

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