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Leitartikel: Fataler Sparkurs

20 bis 30 Prozent mehr Studierende erwarten die hessischen Hochschulen. Mittelkürzungen sind die falsche Antwort auf doppelte Abi-Jahrgänge. Die gehen dann vielleicht direkt an die Unis in Bayern oder Baden-Württemberg. Von Astrid Ludwig

Studenten demonstrieren in Wiesbaden gegen die Streichliste im Bildungsbereich (11.05.2010).
Studenten demonstrieren in Wiesbaden gegen die Streichliste im Bildungsbereich (11.05.2010).
Foto: Michael Schick

Von Ruhe kann an den hessischen Hochschulen keine Rede mehr sein. Erst lösten die umstrittenen Studiengebühren heftige Turbulenzen aus, danach der Bildungsstreik und die Studienbedingungen bei den neuen Bachelor- und Master-Abschlüssen. Und nun gibt es Streit ums Geld. Derart vehement wurde schon seit langem nicht mehr gerungen, vor allem nicht in so großer Allianz. Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann hat diesmal nicht nur die politische Opposition im Landtag, die Studierenden und Asten, sondern auch alle zwölf Hochschul-Präsidenten gegen sich. Das ist neu.

Während Wiesbaden die Einsparung bei den Hochschulen angesichts des gesamten Kürzungskanons fast als Peanuts abtut und als solidarischen Akt einfordert, sehen die Hochschulen ihre Strukturen bedroht. 30 Millionen Euro jährlich, das klingt, auf zwölf Hochschulen verteilt, zunächst nach nicht so großen Opfern für die Einzelnen. Doch bei genauerem Blick hängt daran sehr viel mehr.

Astrid Ludwig ist Redakteurin der FR-Lokalredaktion Frankfurt.
Astrid Ludwig ist Redakteurin der FR-Lokalredaktion Frankfurt.
Foto: FR

Der Frankfurter FH-Präsident Detlev Buchholz hat das für seine Hochschule exemplarisch vorgerechnet: Die Kürzungen bedeuten rund tausend Euro jährlich weniger pro Student und dessen Betreuung, vollere Hörsäle, längere Wartezeiten auf Laborplätze und weniger Professoren. Schon jetzt sind an der FH 40 Stellen unbesetzt, hat das Land die Zusicherung für Campus-Neubauten in Höhe von 80 Millionen in den vergangenen Jahren nicht eingehalten.

Die FH gehört schon beim aktuellen Hochschulpakt nicht zu den Gewinnern. Mutig hat sich Buchholz als erster Präsident aus der Deckung gewagt und öffentlich erklärt, die Unterschrift unter den Pakt zu verweigern.

Protest gegen Hochschulpakt

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Die Unis fürchten durch die Kürzungen in der Forschung den Anschluss an ohnehin schon besser ausgestattete Konkurrenten in den Nachbarbundesländern zu verlieren. Das Abschneiden bei vorangegangenen Runden der Exzellenz- und Eliteinitiative des Bundes ist dafür teilweise ein Indiz. Die Kürzungen vergrößern aber auch die Kluft zwischen Unis und Fachhochschulen, wenn Geld aus dem Grundbudget zugunsten der Forschung umgeschichtet wird. Das Stichwort Zwei-Klassen-Gesellschaft fällt immer wieder.

Bildung ist die Zukunft. Was erwartet die Schüler in Hessen, die ihr Abi in zwölf Jahren durchgezogen haben, wenn sie ab 2012 an die Hochschulen drängen? Schlechtere Studienbedingungen, überfüllte Seminare und Lehrbeauftragte statt Professoren? 20 bis 30 Prozent mehr Studierende erwarten die Hochschulen. Mittelkürzungen sind die falsche Antwort auf doppelte Abi-Jahrgänge. Die gehen dann vielleicht direkt an die Unis in Bayern oder Baden-Württemberg.

Autor:  Astrid Ludwig
Datum:  12 | 5 | 2010
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