Draufhauen ist dämlich. Draufhauen ist feige. Draufhauen ist keine Lösung. Kennen wir, wissen wir. Tausendmal gehört, zehntausendmal vorgebetet bekommen. Aber manchmal scheint draufhauen einfach nötig, schlicht unabwendbar. Hier, jetzt, und voll in die Fresse. Egal, einfach drauf. Wer schon mal auf der falschen Seite dieser - zugegeben zweifelhaften - Argumentationskette stand, wird dem kaum zustimmen. Aber ganz ehrlich: Das ist denen, die die Kette auslösten, also hingelangt haben, ziemlich schnurz.
Das mag Gutmeinenden und Gutmenschen nicht passen, aber Gewalt ist zutiefst menschlich. Das ist kein Grund, sie einfach durchgehen zu lassen. Einer der recht guten Gründe für den Rechtsstaat war, Gewalt so zu regulieren, dass nicht manche immer Gewalt ausüben konnten und manche andere sie immer erleiden mussten. Niemand hat je gesagt, Gewalt dürfe es nicht geben. Nun gut, ein paar Heilige vielleicht. Aber die haben den Vorteil, nicht im Hier und Jetzt und in menschlicher, allzu menschlicher Gesellschaft leben zu müssen. Denn die macht manchmal kirre.
Die Gesellschaft birgt eine Menge guter Gründe für junge Menschen, an ihr kirre zu werden. Was sie nicht birgt, sind Alternativen. Vor 20 Jahren gab es noch Nischen und Ecken, Stadtränder und gottverlassene Landstriche zum Austoben. Heute sind die entweder verbaut oder vermarktet. Der Mangel an Freiraum, das Verschwinden aller Perspektiven - in Sachen Beruf und Leben und Zukunft überhaupt - und die von einer schamlosen Jugend-Industrie jahrelang vorgegaukelte Illusion, mit der richtigen "Gangsta-Attitude" afroamerikanischer Kids könnte man sich materielle und damit die angeblich einzig relevante Befriedigung holen: Junge Menschen haben grausam wenig, wofür sie erwachsen, zivil und sozial werden sollten.
Außerdem sind sie jung, und dann gehört es sich, über die Stränge zu schlagen. Wenn das dann anhält, greifen jene sozialen Hilfen aus Prävention, Polizei, Pädagogen und Projekten, die generell meist gute Arbeit leisten. Wäre da nicht die wohllebige Bürgergesellschaft, die bloß für den Erhalt des von Vorvätern Erreichten existiert, kein gesellschaftliches Zukunftsprojekt mehr verfolgt, keine Ideen entwickelt und vor allem alles so durchreguliert hat, dass Alternativen kaum mehr denkbar sind. Im Internet gibt es die, aber nur für jene, die sich Zugang verschaffen können und in der realen Welt genug Geld für diese Freiheit verdienen.
Das alles rechtfertigt nicht die Gewalt gegen Schwächere, auch nicht Gewalt durch Mädchen. Vielleicht zeigt diese Gewalt aber, dass diese Gesellschaft nicht mehr lange so weitermachen kann. Oder darf.