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Leitartikel: Hohes Ziel

Ein Rat der Religionen hat nur dann eine Chance, wenn er über alle Grenzen hinweg als höchste Instanz für interreligiöse Fragen anerkannt wird.

Martin Müller-Bialon ist Lokalredakteur der Frankfurter Rundschau.
Martin Müller-Bialon ist Lokalredakteur der Frankfurter Rundschau.
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Amt für multikulturelle Angelegenheiten, Integrationsdezernentin, interkultureller Rat, Römerbergbündnis, Pfarramt für interreligiösen Dialog - die Liste der Ämter und Institutionen, die sich mit dem Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen befassen, ließe sich noch weiter fortsetzen. Man kann den Eindruck gewinnen, dass dieses gesellschaftliche Betätigungsfeld so langsam abgegrast ist. Brauchen wir da überhaupt noch einen Rat der Religionen? Wo ist die Lücke, die diese weitere Institution perspektivisch füllen soll?

Nimmt man den Hausener Moschee-Streit als Beispiel, so wird deutlich - eigentlich gibt es da keine Lücke. Alle relevanten Instanzen - Politiker, Kirchen, Gewerkschaften - haben sich zu Wort gemeldet und den Moschee-Plänen uneingeschränkt zugestimmt. Ein Rat der Religionen hätte wohl auch nicht mehr bewirken können. Die Hardliner jedenfalls, für die Toleranz ein Fremdwort ist, hätte er auch nicht überzeugt.

Es sei denn, dieses Gremium würde über alle religiösen Grenzen hinweg - und auch innerhalb der jeweiligen Gemeinschaften - quasi als höchste Instanz für interreligiöse Fragen anerkannt. Dann wäre das möglich, was die Initiatoren anstreben: Bedingungslose Solidarität unter den Religionen. Und Pfarrerin Esther Gebhardt, die Chefin des Evangelischen Regionalverbands, hätte recht mit ihrer Einschätzung: Wer sich mit einem anlegt, der hat es mit allen zu tun.

Ein hohes Ziel ist das. Sehr hoch. Denn um das zu erreichen, müssen Dutzende Gruppierungen aus mindestens sieben verschiedenen Religionen unter einen Hut gebracht werden. Um die Aufgabe, eine Satzung für dieses Gremium zu formulieren, sind die Initiatoren jedenfalls nicht zu beneiden. Und wenn nur eine der beteiligten Religionen wieder abspringt, ist die gesellschaftliche Relevanz des Rats schon dahin.

Frankfurt ist eben nicht Dormagen, wo es schon einen solchen Rat gibt. Auch Köln oder Stuttgart haben nicht die religiöse Vielfalt wie Frankfurt mit seinen 140 Gemeinden und Gemeinschaften. Wie schwierig der Weg ist, wird dadurch deutlich, dass schon die Initiativgruppe vier Jahre brauchte, um die Grundsätze für einen Rat der Religionen vorzulegen. Und die größten Hürden sind erst noch zu überwinden.

Dennoch: Man kann, man muss dem Projekt Glück wünschen. Es lohnt sich, an diesem hohen Ziel zu arbeiten. Nicht weil Frömmigkeit so toll ist - die Hälfte der Frankfurter gehört keiner Religion an -, sondern weil das Zusammenleben der Kulturen und Religionen eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben ist. Nicht zuletzt das hat die Moschee-Debatte gezeigt.

Was nicht weiterhilft, ist eine Plauderrunde, in der die üblichen Verdächtigen bekannte wie vorhersehbare Statements abgeben. Denn auch davon gibt es schon genug.

Autor:  MARTIN MÜLLER-BIALON
Datum:  20 | 8 | 2008
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