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Leitartikel: Klientel bedient

Mit Pomp und Prominenz hat die European Business School in Wiesbaden ihren "Aufstieg" zur Universität zelebriert. Eine staatliche hätte sich so einen Auftritt in heutigen Sparzeiten gar nicht leisten können. Von Astrid Ludwig

Astrid Ludwig ist Redakteurin der FR-Lokalredaktion Frankfurt.
Astrid Ludwig ist Redakteurin der FR-Lokalredaktion Frankfurt.
Foto: FR

Mit viel Pomp und Prominenz hat die private European Business School in Wiesbaden ihren "Aufstieg" zur Universität zelebriert. Roland Koch war bei der Feier im Kurhaus dabei, der Nobelpreisträger Mohammad Yunus und Boris Becker zumindest per Videoschaltung. Tausend Gäste haben Deutschlands jüngste Universität gefeiert. Die jüngste private Universität der Republik wohlgemerkt. Eine staatliche hätte sich so einen Auftritt vermutlich in heutigen Sparzeiten gar nicht mehr leisten können.

125 Millionen Euro kostet der Aufbau der neuen juristischen Fakultät, der EBS Law School. Das meiste Geld stammt aus privaten Spenden, doch rund 50 Millionen Euro geben auch das Land und die Stadt dazu. Der Ansatz der neuen Universität, das Jura-Studium zu reformieren und die Absolventen auf eine immer globaler werdende Geschäfts- und Rechtswelt vorzubereiten, ist sicherlich gut und richtig. Die Kombination aus Jura und Wirtschaftswissenschaften, gepaart mit Sprachkenntnissen und der Vertrautheit mit internationalen Rechtssystemen, füllt eine Lücke. Zumal, wenn die EBS tatsächlich, wie ihr Präsident versichert, wieder so etwas wie das Wertebild des ehrlichen, verantwortungsvollen Kaufmanns vermitteln will.

Nur: Muss das unbedingt mit Steuergeldern sein? Zumal in Zeiten, wo den staatlichen Hochschulen in Hessen rund 30 Millionen Euro aus ihrem Etat von der Landesregierung gestrichen wurden. Kritiker hat das zuhauf auf den Plan gerufen. Detlev Reymann, Präsident der Fachhochschule RheinMain in Wiesbaden, hat zu recht während der Verhandlungen zum Hochschulpakt moniert, dass das Land für 200 Jurastudenten der EBS "ungeschmälerte Millionen übrig hat", aber für öffentliche Bildung weniger da sein soll. Die Fraktion "Die Linke" im Landtag wettert gegen "die Förderung von Eliten und den Bildungsabbau in der Breite". Vertreter der GEW-Gewerkschaft liefen am Mittwoch vor dem Kurhaus mit der Sammelbüchse herum, um den illustren Gästen Spenden für die öffentlichen Bildung abzuringen.

Wiesbaden wird jetzt Unistadt, doch das hätte sie auch werden können, wenn die dort ansässige Fachhochschule mit Staatsgeld in den Rang der Universität erhoben worden wäre. Auch der Jura-Studiengang einer staatlichen Universität hätte mit 50 Millionen Euro derart modernisiert werden können, wie es nun die EBS-Law School vorhat. Es ist nur schwer zu vertreten, dass eine private Hochschule, die bis zu 13000 Euro Gebühren pro Jahr von ihren Studenten verlangt, mit Millionen subventioniert wird, die den öffentlichen Bildungseinrichtungen genommen werden. Das ist schwarz-gelbe Klientelpolitik. F23

Autor:  ASTRID LUDWIG
Datum:  18 | 6 | 2010
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