Dormagen hat es vorgemacht. Monheim auch. Die Nachbarstädte am Niederrhein, die zwischen 45 000 und 65 000 Einwohner zählen, sind Vorbilder beim Thema Armutsprävention. Sie setzen darauf, die Chancen benachteiligter Kinder zu erhöhen, damit sie realistische Perspektiven auf eine bessere Zukunft haben. Auch die Metropole Frankfurt am Main, Stadt der Banken und der Singles, hat Kinderarmut als Schwerpunktthema erkannt, arbeitet ämterübergreifend an Konzepten.
Wie notwendig das ist, verdeutlicht der jüngst herausgegebene Erfahrungsbericht des Kinderbüros. Er dokumentiert nicht nur, wie sehr das Armutsrisiko in Haushalten mit Kindern, besonders für Alleinerziehende und besonders für alleinerziehende Mütter und Väter mit Migrationshintergrund steigt. Er hält auch fest, dass Frankfurter Kinder, deren Eltern wenig verdienen oder von Sozialhilfe leben, pessimistischer in die Zukunft blicken, als ihre besser gestellten Altersgenossen. Eine Abwärtsbewegung offenbart sich hier, die gestoppt werden muss.
Gespendete Schulranzen und Paten, die den Geigenunterricht bezahlen, Sportvereine, die Kindern den Beitrag in die Vereinskasse erlassen oder Torwarthandschuhe bezahlen, Privatleute, die den Notfonds des Kinderbüros immer wieder aufs Neue füllen, sind erste Schritte dort hin. Doch das Engagement der Bürger alleine reicht nicht aus. Die Politik ist gefragt. Im Bund, wo es um die Erhöhung der Hartz IV-Regelsätze für Kinder und Erwachsene geht, ebenso wie in der Stadt. Hier sind bereits viele Betreuungsplätze für Kindergartenkinder geschaffen, pfiffige Ideen wie Willkommenspakete für alle Neugeborenen realisiert. Jetzt geht es darum, ausreichend Krabbelstuben für die unter Drei-Jährigen zu realisieren. So werden die Chancen für Mütter und Väter erhöht, wieder arbeiten gehen zu können. Und damit auch verhindert, dass in Frankfurt sozial abgehängte Gebiete entstehen, in denen Kinder ohne Perspektive aufwachsen, weil sie niemanden mehr kennen, der noch arbeitet.
Eltern müssen ermutigt und unterstützt werden,damit sie ihre Kinder fördern und ihnen Zukunftschancen eröffnen können. Damit dies gelingt, bedarf es weiterer gewaltiger Anstrengungen. Bei der Stadt Dormagen und ihrem Netzwerk Frühe Förderung fällt die gewaltige Datenbasis auf, die den Handelnden zur Verfügung steht. Und phantasievolle Aktionen - wie die Patenschaften zwischen Gymnasiasten und benachteiligten Grundschulkindern oder Hausbesuche durch die Lehrer.
In Frankfurt sollen jetzt Familienzentren in den Stadtteilen aufgebaut werden, um niedrigschwellig Beratungsangebote und Treffmöglichkeiten zu schaffen. Ein guter Schritt. Weitere müssen folgen, damit Eltern und Kinder positiver in die Zukunft schauen können.