Soll keiner sagen, das sei allein Miesmacherei. Aber darüber nachdenken darf man ja doch wohl. Darüber, dass sich die Fußballer vom FSV wie die Fangemeinde eines maltekischen Schlagersängers beim Grand Prix d´Eurovision organisieren und im Internet alle für den Neubau der Tribüne abstimmen könnten. Mal angenommen, diese Frage würde sich im Bürgerhaushalt stellen. Schnell geriete diese Form der Mitbestimmung in den Ruf, schlicht unberechenbar zu sein.
Klar ist so etwas Miesmacherei. Und eigentlich gilt es an dieser Stelle zuallererst festzuhalten: Dass auch die Frankfurter ein Wort darüber mitreden sollen, wie sich diese Stadt weiterentwickelt und in welches Projekt man in diesem Zusammenhang Geld steckt, wird höchste Zeit. Während dieses Projekt in so bekannten Städten wie Monheim am Rhein seit mehr als einem Jahrzehnt wie selbstverständlich zur politischen Agenda gehört, spielt Mitwirken am Main bislang keine Rolle.
Dabei kann es überhaupt kein Schaden sein, wenn sich Eltern in die Diskussion einmischen, was denn nun beispielsweise mit der alten Grundschule in Kalbach geschehen soll. Bevor sich die Stadtregierung zur Sanierung entschieden hat, ließen Mütter und Väter des Nachwuchses im Norden der Stadt nicht einen Augenblick Zweifel daran, dass diesem Projekt eine gewisse Priorität einzuräumen sei.
Nun ließe sich gegen den Bürgerhaushalt einwenden, dass ebendieses genau das Problem sein könnte: Partikulare Interessen suchen aus den Stadtteilen heraus Wirkungsmacht bei der Stadtregierung. Vielleicht aber läuft das auch ganz anders, wirkt diese Mitsprache wie ein Seismograph: Der sich gegenwärtig Luft machende Unmut der Höchster wegen des Bolongaropalastes hätte sich nicht plötzlich entladen müssen, wenn es denn Hinweise auf die Dimension der Unzufriedenheit gegeben hätte.
Ganz in diesem Sinne konnte man bislang auch die Stadtteilparlamente verstehen. Die Ortsbeiräte galten als Frühwarnsysteme. Was dort in den Bürgerfragestunden zur Sprache kam, hatte kommunale Politik unbedingt ernstzunehmen. Doch über konkrete Probleme mit der Höhe von Bordsteinen und löchrigen Radwegen könnte die Debatte zum Bürgerhaushalt künftig hinausweisen - wenn sie den Bürgern die Möglichkeit bietet, über Perspektiven ihrer Stadt nachzudenken. Gar nicht auszudenken, was mit der Studie "Frankfurt für alle" passiert wäre, die der Stadtplaner Albert Speer vor einem Jahr vorgestellt hat, um der Entwicklung Frankfurts Impulse zu geben. Auf jeden Fall hätte die Sammlung weitreichender Ideen zur Gestaltung der Stadt nicht einfach in einer Schublade des Römers verschwinden können.