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Leitartikel: Niederrad am Main

Wer immer etwas hässliches über die Damen und Herren vom städtischen Planungsamt zu sagen weiß - schweigen möge er fortan, denn die Damen und Herren schwelgen gegenwärtig klangvoll und wirkungsmächtig in literarischen Dimensionen. Von Matthias Arning

Dr. Matthias Arning leitet die Stadtredaktion der Frankfurter Rundschau
Dr. Matthias Arning leitet die Stadtredaktion der Frankfurter Rundschau
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Wer immer etwas hässliches über die Damen und Herren vom städtischen Planungsamt zu sagen weiß - schweigen möge er fortan, denn die Damen und Herren schwelgen gegenwärtig klangvoll und wirkungsmächtig in literarischen Dimensionen. "Niederrad am Main" haben sie den städtebaulichen Ideenwettbewerb überschrieben, über den man bislang nur so viel weiß: Das Wohnquartier soll sich ändern, soll energieeffizienter und sozialverträglicher werden. Viel mehr weiß man noch nicht zu sagen: Die Grenze des Planungsbereichs ist in der jetzt vorgestellten Skizze der Experten grün markiert und fasst den Bereich Niederrads zwischen dem Main, der Niederräder Landstraße und der Bruchfeldstraße einem Tortenstück gleich ein. Mehr zu sehen gibt es noch nicht.

Deswegen wird Frank Junker, der Chef der städtischen ABG, der Holding also, die einen Großteil der Wohnungen im Bereich des Tortenstücks ihr Eigen nennt, dieser Frank Junker wird deswegen auch nicht müde zu betonen: Der Prozess ist ein offener. Zwar gebe es in seinem Wohnungsunternehmen eine klare Vorstellung darüber, was sich aus dem Mainfeld machen ließe, wie man also die Hochhäuser aus den 70er Jahren in ein sozialverträglicheres Umfeld umwandeln könnte, doch das seien nunmal Vorschläge, keine Vorgaben.

Junker tut gut daran, seinen Vortrag bei den ersten Bürgerversammlungen zur Zukunft des oft geschmähten Quartiers als Bericht an die Planungswerkstatt auszugeben. "Planungswerkstatt", das klingt wie vor 20 Jahren, als die Bürger dieser Stadt bereits mit großer Vehemenz für sich in Anspruch nahmen, unbedingt ein gewichtiges Wort mitreden zu wollen, wenn es um Belange vor ihrer eigenen Haustür ging. Über die Köpfe der Bürger hinweg sollte es keine Entscheidung geben, die in den Alltag der Menschen direkt hineinwirken könnte.

Denn so etwas funktioniert nicht. Nur wenn die Bürger Verantwortung dafür empfinden, wie sie an welcher Ecke dieser Stadt miteinander leben, nur dann kann das Zusammenleben auch gelingen. Keine ganz neue Einsicht, und doch eine Erkenntnis, die man über Jahrzehnte hinweg sträflich vernachlässigt hat. Weil es doch ganz egal zu sein schien, weil doch jeder einfach nach seinem ganz eigenen Geschmack glücklich werden sollte. Die Niederräder, die Menschen aus dem südlichen Stadtteil also, in dem es Villen und Büros neben nach tausenden zählenden kleinen Wohnungen gibt, diese Niederräder könnten in den kommenden Monaten den Beweis antreten - dafür, dass Beliebigkeit und Desinteresse die ärgsten Feinde des guten Lebens sind. Des glücklichen Lebens in Niederrad am Main.

Autor:  Matthias Arning
Datum:  10 | 6 | 2009
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