Es geht um Grundsätzliches. Etwa für Edwin Schwarz: Der Planungsdezernent hält das Niederräder Mainfeld nicht allein für eines der Sanierungsgebiete aus den 70er Jahren, an denen es Frankfurt nicht mangelt. Der Stadtrat sieht das Quartier - ganz anders als die Heinrich-Lübke-Siedlung in Praunheim - als ein Entwicklungsgebiet für den darniederliegenden Wohnungsbau in einer Stadt der Zuwanderer, der es an allen Ecken und Enden an bezahlbarem Wohnraum fehlt.
Wenn Juror Martin Oster über das Grundätzliche im Zusammenhang mit dem Mainfeld nachdenkt, dann fallen ihm die Zugänge zum Fluss ein: Was heutzutage noch wie das abgeschottete Areal versprengter Angler und Bootfahrer wirkt, wo momentan kaum ein Mensch aus freien Stücken hingeht, dort ließe sich etwas machen - für die Menschen, die dort wohnen, wie für die Frankfurter insgesamt, die sich bislang allenfalls in das dortige Lichtbad vorwagen, um dem Fluss näher zu sein.
Sehen sich die Anwohner des Mainfelds mit dem Grundsätzlichen konfrontiert, sind sie doch einigermaßen überrascht: Was bislang allein unter der Überschrift energieeffiziente Sanierung lief, erweist sich mit den Ergebnissen aus dem städtebaulichen Ideenwettbewerb als Bemühen um einen grundlegenden Wandel des in die Jahre gekommenen Quartiers, das nicht gerade den besten Ruf genießt und mitunter aus guten Gründen als Problem-Viertel bezeichnet wird.
Ein grundlegender Wandel muss für die Anwohner nicht das Schlimmste sein, will gleichwohl aber erst einmal verkraftet werden. Sie müssen sich an die Ansage des Planungsdezernenten wie der stadteigenen Wohnungsgesellschaft ABG halten können: Wer seine Wohnung während der Umbauten verlassen muss, hat ein Recht auf Rückkehr. Das wäre zu klären, bevor Verängstigung jedem weiteren Nachdenken über die Zukunft des Quartiers entgegensteht, Existenzsorgen jede Fantasie in Schranken halten.
Die Stadtregierung hat den Bürgern versprochen, dass sie mitreden dürfen, wenn man "Niederrad am Main" schafft. Einer Zauberformel gleich beschwor der Magistrat in diesem Zusammenhang immer wieder politische Partizipation, weil sich ohne das Mitwirken der Ortskundigen ein solches Projekt nicht realisieren lasse. Daran müssen sich Stadtregenten wie Wohnungsbauer messen lassen. Und dafür sollten sie sich realistische Zeiten setzen. Bis zum Ende des Jahres dürfte das kaum zu schaffen sein. Wer sich mit Niederrad viel vornimmt und im Grunde ein ganz neues, auch attraktives Quartier schaffen will, muss die Dortigen in jeder Hinsicht mitnehmen. So weit einstweilen zum Grundsätzlichen. F6