Wissen ist Macht. Das Wissen um Wirkung, Gefahren, Folgen. Worauf die Drogenprävention bei harten Suchtmitteln seit jeher baut, gilt für die Alltagsdroge Alkohol erst Recht. Die vermeintliche Harmlosigkeit wird Heranwachsenden seit Generationen vorgelebt. Bier oder Apfelwein galten über Generationen als Durststiller, nicht als Rauschmittel - ein Image, das sich bis heute hält wie das vom Wein, Sekt oder Cocktail als entspannende Feierabendbegleiter und Selbstverständlichkeit bei Feiern.
Alkohol ist Freizeit. Dass diese Gleichung seit dem Siegeszug der Alko-Pops zunehmend für das Freizeitverhalten von Jugendlichen gilt, macht die Sache gefährlich. Gefährlich natürlich mit Blick auf Suchtgefahr und Abhängigkeit, gefährlich aber auch für die unerfahrenen Trinker, für Jugendliche, die vielleicht einmal im Monat bei einer Fete zulangen und sich in naiver Blauäugigkeit in Nullkommanix ins Koma saufen. Wo Alkohol zum Freizeitbegleiter wird, zum Identitätsmerkmal und Statussymbol in der Gruppe, zum Gradmesser des Erwachsenseins und die Gruppendynamik einer Clique bestimmt, muss die erwachsene Umwelt die Notbremse ziehen.
Das fängt bei Eltern an, die ihre Sprösslinge tunlichst über Wirkung und Folgen des Alkoholkonsums aufklären sollten, und darf bei Bekannten, Vereinsfreunden, Lehrern nicht aufhören. Das Wissen um die Wirkung von Alkohol und seine Gefährlichkeit ist bei Jugendlichen erschreckend unterbelichtet - möglicherweise auch bei den Erwachsenen. Da müssen Projekte ansetzen. Dazu ist Alkohol ist ein viel zu leicht zu beschaffendes Rauschmittel, als dass es mit den Vorgaben und Verboten des Jugendschutzgesetzes getan ist. Jugendschutz-Begehungen und Kontrollen, wie sie das Frankfurter Ordnungsamt laufend in Gaststätten durchführt, sind zwar so richtig und wichtig wie harte Strafe bei Verstößen. Der unerlaubte Alkoholkonsum von Jugendlichen lässt sich mit Verboten aber nicht verhindern. Wer als 15-Jährige Wodka trinken will, schickt eben einen älteren Freund aus der Clique, der den Stoff legal besorgt. Dass der in Discountern und Supermärkten überdies zu taschengeldverträglichen Spottpreisen zu haben ist, macht die Sache nicht besser. So hat die erhöhte Steuerpflicht zwar die designten Alko-Pops vom Markt gefegt, dafür wird jetzt mit Billigfusel selbst gepanscht.
Das Halt-Projekt der Stadt bietet die richtige Antwort: Hilfe und heilsamer Schock im Krankenhaus, Aufklärung bei der anschließenden Suchtberatung. Richtig ist auch, dass Gesundheitsvorsorge und Aufklärung zunehmend Lehrstoff schon in Grundschulen wird. Kinder müssen wissen, was sie tun, nur so geht es.