Was er sich wohl diesmal einfallen lässt? In Hamburg war es eine Stadtrundfahrt mit Leichen, in London obduzierte er öffentlich, und in Frankfurt wollte Gunther von Hagens Nacktmodels neben die plastinierten Körper stellen. Auch in Offenbach, so ist zu erwarten, wird der Macher der "Körperwelten" einen PR-Gag inszenieren, den man bestenfalls geschmacklos nennen kann. Die Frage ist nur, wie etwa Ordnungsbehörden und Kirchen damit umgehen werden.
Die Frankfurter entschieden sich vor sechs Jahren für den Konfrontationskurs mit von Hagens. Pröpstin Helga Trösken ließ sich sogar auf ein Fernsehduell mit ihm ein. Mit zweifelhaftem Erfolg. Eine halbe Stunde lang redeten die Kirchenfrau und der Plastinator aneinander vorbei, und schließlich grinste von Hagens selbstzufrieden. Eine bessere Werbung für seine "Körperwelten" hätte er sich gar nicht wünschen können.
In Offenbach geht man um einiges unaufgeregter mit der Leichenschau um. Das ist klug. Es wird erst gar nicht darüber diskutiert, ob man die Ausstellung verbieten sollte. Schließlich haben die Gerichte mehrfach entschieden, dass sich die Schau nicht untersagen lässt und höchstens einzelne Exponate entfernt werden müssen. Diese Rechtsauffassung ist auch absolut richtig. Man darf Gunther von Hagens komplett ablehnen und seine Schau pervers finden - aber ein Verbot einer Ausstellung, die immer nur das letzte Mittel sein kann, rechtfertigen diese Ansichten nicht.
Auch die Kirchen reagieren taktisch geschickter als einst in Frankfurt. Ein Boykottaufruf wäre bloß Reklame für von Hagens. Wobei die Kirchen die Ausstellung deshalb nicht etwa ignorieren. Sie bieten ein kritisches Begleitprogramm an. Damit werden sie ihrer Aufgabe als moralische Instanz gerecht.
Zu Recht sagen die Kirchen, dass es jedem Einzelnen frei stehen müsse, die "Körperwelten" zu besuchen. Es wäre auch unsinnig, mit erhobenem Zeigefinger vor der Schau zu warnen. Wer sich plastinierte Körper ansehen möchte, soll das tun. Nur möge bitte keiner glauben, die Ausstellung diene der Wissenschaft. Von Hagens mag ein guter Wissenschaftler sein. Was er mit seiner Schau angeblich vermitteln will, ließe sich aber genauso gut an Schautafeln und Puppen darstellen. Die Wissenschaft braucht die "Körperwelten" nicht.
Knapp 350000 Menschen haben sich die Ausstellung in Frankfurt angesehen. In Offenbach dürften es deutlich weniger werden, denn die große Aufregung hat sich längst gelegt. Das ist wohltuend. Und wenn von Hagens zusammen mit seinen Leichen irgendwann ein Spiel der Offenbacher Kickers besuchen will, können Behörden und Kirchen ja immer noch tätig werden.