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Leitartikel: Unbekanntes Spitzenprodukt

Die Beteiligten der Internet-Wirtschaft zusammenzubringen, sie zu einer gemeinsamen Standortpolitik zu bewegen - das wäre den Schweiß der Edlen wert. Von Jürgen Schultheis

Jürgen Schultheis ist Lokalredakteur der Frankfurter Rundschau.
Jürgen Schultheis ist Lokalredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

In der jüngsten Wirtschaftsgeschichte der Stadt Frankfurt zählt das unverminderte wie dramatische Wachstum des Internetknotens Decix zu den stillen Erfolgsgeschichten. Jetzt feiert der Knoten seinen 15. Geburtstag. Vom klassischen Festakt, vom Empfang bei der Oberbürgermeisterin wird man aber nichts hören - mögen noch so viele Neukunden den Anschluss am Knotenpunkt suchen, mögen die Datenmengen noch die unvorstellbarsten Dimensionen erreichen.

Das ist schade, zumal die Oberbürgermeisterin nun auch das Twittern entdeckt hat und umso mehr auf das angewiesen ist, was da an der Hanauer Landstraße geleistet wird. Aber vielleicht fängt das Problem damit schon an: Zu beschreiben und zu begreifen, dass der weltweite Datenaustausch im Internet auf Knotenpunkte angewiesen ist, an denen Datenströme verschiedener Anbieter zusammenfließen, das ist nicht gerade leicht erklärbar. Zumal niemand ein Produkt in Händen halten und sagen kann, sehen Sie, das stellen wir her, und damit sind wir spitze.

Gleichwohl ist das, was der Decix, ein Tochterunternehmen der deutschen Internetwirtschaft, leistet, womöglich das Spitzenprodukt der Stadt: Der Flughafen ist beim Passagieraufkommen der neuntgrößte Airport der Welt, die Bankenstadt Frankfurt im internationalen Vergleich irgendwo unter den ersten 20 (je nach Berechnungsmodus) - der Internetknoten aber gehört unbestritten zur weltweiten Spitze und liegt bei der Menge der ausgetauschten Daten vor London und Amsterdam und ganz weit vor Metropolen wie New York oder dem weitaus kleineren Washington. Dass die Infrastruktur an der Hanauer Landstraße wie auch an der Kleyerstraße etwa mit Ancotel die Stadt Frankfurt zum Top-Standort macht - zumindest langsam spricht sich die Erkenntnis herum, auch dank der guten Kontakte, die Interxion-Geschäftsführer Peter Knapp zur Landesregierung und Stadt hat. Und es stimmt, dass Petra Roth oder Markus Frank inzwischen die Nähe der Internet-Szene suchen.

Das allein wird aber nicht reichen. Der Stadt muss es gelingen, Frankfurt und die Region offensiver als Kommunikations- und Medienstandort nach vorne zu spielen. Das ist schon deshalb nicht leicht, weil die Akteure in der Wirtschaft nicht immer am gleichen Strang ziehen und mancher allzu stark den Eigennutz sieht und dabei die Vorteile für den Standort außer acht lässt, die aus einer Kooperation erwachsen würden. Dennoch: Die Beteiligten zusammenzubringen, sie zu einer gemeinsamen Standortpolitik zu bewegen, das wäre den Schweiß der Edlen wert. Denn das Nervensystem der Dienstleistungsmetropole Frankfurt ist das Internet.

Datum:  28 | 4 | 2010
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