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Leitartikel von Jürgen Schultheis: Maß halten

Unabhängig vom Für und Wider eines neuen Ausbaus des Flughafens muss der Konflikt ein juristischer bleiben und darf kein persönlicher oder gewalttätiger werden.

Jürgen Schultheis ist Lokalredakteur der Frankfurter Rundschau.
Jürgen Schultheis ist Lokalredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Man tut am Tag eins nach dem mutmaßlichen Brandanschlag auf das Auto des Fraport-Ausbaumanagers Horst Amann gut daran, in jeder Hinsicht Maß zu halten. Für dramatisierende Zuspitzungen und verantwortungslose Verharmlosung gibt es in diesen Stunden keinen Anlass, für Häme und Schadenfreude angesichts des Ereignisses schon gar nicht.

Auch wenn es kaum mehr als erste Vermutungen über die Täter gibt - wer immer in diesem schwierigen und langwierigen Konflikt um den neuerlichen Ausbau des Flughafens verstrickt ist, muss in diesen Tagen seine Verantwortung erkennen und allenthalben daraufhin wirken, dass der Konflikt ein juristischer bleibt und kein persönlicher respektive gewalttätiger werden darf.

Maß halten hieße im aktuellen Fall, in der teils scharfen Debatte und dem manchmal äußerst hitzig geführten Streit über das Für und Wider eines Ausbaus des Frankfurter Flughafens die Integrität und selbstverständlich auch die Unverletzlichkeit der Person zu wahren. Diese Unversehrtheit muss auch für jenen Bereich der Person gelten, in den von außen niemand blicken kann - in jenen Bereich des Gefühls, bei seiner Tätigkeit und im eigenen Hause sicher zu sein.

Man wird nicht zu viel interpretieren, wenn man davon ausgeht, dass Horst Amann eben dieses Gefühl vorerst nicht wird haben können. Das war vermutlich die Absicht der Täter, und darin liegt die Perfidie. Weil sie - wie es aussieht - nicht den Leib treffen, aber jenes Gefühl des Sicher-Seins erschüttern wollten. Insofern ist das, was da geschehen ist, womöglich ein Zwischenfall, hoffentlich aber keine Zäsur in der Auseinandersetzung um den Bau der Nordwestlandebahn.

Dass wir in den vergangenen Jahren nicht wieder Augenzeugen jener bürgerkriegsähnlichen Konflikte werden mussten, wie sie Bau und Inbetriebnahme der Startbahn 18 West begleitet haben, ist allen Beteiligten hoch anzurechnen. Und niemand geht im Augenblick davon aus, - auch nicht nach dem mutmaßlichen Brandanschlag, dass solche Verhältnisse wiederkehren.

Gleichwohl wäre kein Wort zu viel verloren, wenn nun alle, auch Gegner des Ausbaus, deutlich machten, dass es keinerlei Sympathien für die Täter gibt und geben darf. Das hätte nichts mit der allzu häufig geäußerten Betroffenheitsprosa zu tun, die manchmal ebenso gedankenlos wie funktionalistisch geäußert wird.

Es hätte damit zu tun, dass bei allen harten Konflikten, bei allen zuweilen scharfen Worten in einer zivilisierten Gesellschaft eines niemals aus dem Blick geraten darf - dass nämlich das manchmal schwierige Miteinander nur möglich ist auf der Grundlage wechselseitigen Respekts und einer Friedfertigkeit, die Formen des zivilen Ungehorsam nicht ausschließt.

Autor:  JÜRGEN SCHULTHEIS
Datum:  12 | 3 | 2009
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