Das Leben ist nicht fair. Es gab so viele Momente des geschäftlichen Triumphes im Leben von Josef Ackermann. Doch am Ende glänzt gar nichts mehr. Seine letzte große Pressekonferenz nach fast zehn Jahren als Deutschlands mächtigster Banker war keine Galavorstellung.
Verlust im vierten Quartal, die Erwartungen enttäuscht, der Aktienkurs kräftig im Minus, das ehrgeizige Ziel, einen Vorsteuergewinn von zehn Milliarden Euro auszuweisen um fast die Hälfte verfehlt. Und die Wirtschaftspresse kennt vor allem ein Thema: die vielen Baustellen, die Ackermann seinen Nachfolgern hinterlässt.
Wie Breuer wollte Ackermann nie enden
Das ist bitter, erinnert es doch an die letzte Bilanzpressekonferenz seines Vorgängers Rolf Breuer. Auch er hatte 2002 vor allem Baustellen hinterlassen, auch er hatte seine Ziele verfehlt, die Bank verdiente damals noch nicht mal Geld. So wie Breuer wollte Ackermann nie enden.
Ist der Strahlemann, zugleich Deutschlands am meisten bewunderter wie gehasster Banker, gescheitert? Ackermann hatte vor allem immer ein Ziel: Werte für die Aktionäre schaffen. Und was Werte für ihn waren, stand nie im Zweifel: Aktienkursgewinne. So schlicht war sein Dogma. Gemessen daran ist er gescheitert.
Rund 70 Euro war eine Aktie der Deutschen Bank im Mai 2002 wert, heute sind es 33 Euro. Das ist eine schöne jährliche Rendite von minus 4,8 Prozent. Jede alte Matratze wäre ein besserer Platz gewesen sein Geld aufzuheben.
Stammaktionäre waren die Leidtragenden
Als Ackermann 2002 startete, besaß die Deutsche Bank noch einen Schatz im zweistelligen Milliarden-Euro-Bereich mit großen Firmenanteilen an Dax-Konzernen wie etwa der Münchener Rück oder der Deutschen Börse AG. Dieser Schatz ist geplündert.
Die Anteile wurden verkauft und das Geld zum Rückkauf eigener Aktien verwendet, um den Kurs nach oben zu treiben, damit die Boni, die sich an der Entwicklung des Aktienkurses orientierten, in die Höhe schossen. Das Vermögen der Aktionäre wurde an die hoch bezahlten Investmentbanker umgeleitet.
Schaut man auf die Bilanz der Aktienrückkäufe und Kapitalerhöhungen in der Ära Ackermann verfestigt sich das Bild: Die Stammaktionäre waren die Leidtragenden der kurzfristigen Politik. Ihre Anteile wurden verwässert, weil Ackermann immer dann Aktien zurückkaufte, wenn sie teuer waren und Kapitalerhöhungen durchziehen mussten, wenn die Not groß, die Kurse billig waren. Statt in guten Zeiten Puffer anzulegen, wurden die Gewinne sofort in den Kauf eigener Aktien investiert.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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