Frankfurt hat seine Erfahrungen mit den Rechtspopulisten gemacht. Keine guten im Übrigen. Deswegen meldete sich der Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung Karlheinz Bührmann jetzt auch zu Wort, um eine besonnene Debatte über die künftige Integrationspolitik zu verlangen. Schließlich muss man nach den Störungen durch junge Rechtskonservative vor ein paar Tagen damit rechnen, dass mit dieser Aktion nur ein Anfang markiert werden sollte. Ähnlich wie im Streit um die neue Moschee, der auch zunächst vermeintlich harmlos im Ortsbeirat begonnen hatte. Schon wenig später wirkte der Boden der Debatte vergiftet. Eine weitere Erfahrung dieser Art will Bührmann Frankfurt ersparen.
Das ist auch deshalb eine weise Entscheidung des Ersten Parlamentariers, weil die Dimensionen der Debatte über jede weitere Integration nicht zu unterschätzen sind. Schließlich geht es um das eigene Selbstverständnis, um einen Prozess der Selbstverständigung. Keine einfache Sache. Denn im Grunde müssen Einheimische und Zuwanderer nicht allein über Sprachkenntnisse reden, über gegenseitige Erwartungen sprechen, sie müssen sich als historische Wesen in einer historisch gewachsenen Stadt definieren. Und zwar gemeinsam.
Früher gehörte es zu den wohl naiven Vorstellungen, dass jede Multikulturalität etwas Gutes habe, weil sich damit das Deutsche in den Hintergrund drängen lasse. Was immer sich mit diesem Deutschen auch im Einzelnen in Verbindung bringen ließe, stets blieb es etwas Furchtbares, so dass man sagen konnte: Ohne den Rückgriff auf die Verbrechen in Buchenwald oder Bergen-Belsen ließ sich der Reiz des Multikulturellen nicht begründen. Das ist heute anders, versteht sich das demokratische Gemeinwesen doch als offene Stadtgesellschaft.
Und dennoch bleibt die Frage nach den historischen Bezügen. Für die Autoren der ebenfalls in diesem Jahr erschienen Speer-Studie zu den Entwicklungsperspektiven dieser Kommune als Bürgerstadt heißt es: "Die Zukunft Frankfurts liegt in seiner internationalen Prägung, verbunden mit seiner freiheitlichen deutschen Tradition."
Bei dem Zusatz von der freiheitlichen wie deutschen Tradition zucken viele zusammen. Weil sie befürchten, diejenigen, vor denen uns der Erste Bürger Bührmann warnt, könnten diesen Satz für ihren Populismus instrumentalisieren. Dann sollen die doch deutschtümelnd über Integration reden und eigentlich die Behauptung des Nationalen meinen. Die Debatte ist über Einfältigkeiten dieser Art längst hinweg, weil sich diese Stadt entwickelt hat. Da vermag die Integrationsstudie weiterzuhelfen. In einer Debatte jenseits des Populismus.