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Kolumne: Lieber Oswald Metzger!

Wenn einer Politiker ist und dazu Publizist, gibt es oft Interessenkonflikte. Aber Sie sind ja ohnehin ihre eigene Lobby.

Was machen Sie hauptberuflich? Auf Ihrer schicken Homepage las ich: „Metzger ist klar, kritisch und konsequent“; „Oswald Metzger beweist, dass er nicht nur ein politischer Mensch ist, vielmehr ein ehrlicher Politiker“; „Im März 2006 gelingt Metzger ein spektakuläres Ergebnis in der baden-württembergischen Landespolitik“; „Metzger will seine Stimme auch künftig erheben“.

Schau an, dachte ich, da hält der Schreiber ja große Stücke auf den ehrlichen Politiker und suchte vergeblich den Autorennamen. Dann kippte ich vor Lachen fast um. Das haben Sie ja selber geschrieben!

Warum sprechen Sie von sich selbst in der dritten Person? Offensichtlich haben Sie über die Jahre ein distanziertes Verhältnis zu sich bekommen. Sie haben wohl zu dem Kunstkniff gegriffen, weil Sie merkten, dass es nicht sehr vornehm ist, über sich selbst zu behaupten: „Ich, Oswald, bin eine Mordsgranate!“

Ich erfahre, dass Sie neben Ihrer Tätigkeit als Politiker – mal mit, mal ohne Mandat – ein freier Publizist sind. Erlauben Sie mir, Ihnen zu erklären, was ein freier Publizist ist. Ein freier Publizist ist frei von Anstellung und sollte frei von Verpflichtungen sein. Kein Staat, keine Partei, Organisation, Lobbygruppe, Stiftung oder sonstige Anstalt ist sein Herr. Das wäre, als ob Steffen Seibert ZDF-Journalist und Regierungssprecher zugleich wäre. So etwas nennt man einen Interessenkonflikt.

Angeblich arbeiten Sie seit 2003 als freier Publizist. Doch später erhielten Sie als Landtagsabgeordneter eine Diät. Ein Berufspolitiker, der hin und wieder auch was schreibt, rastlos die Parteien wechselt, weil er ohne nicht kann, ist besessen von der Idee, Bedeutung durch politische Macht zu erlangen. Nicht die Menschen brauchen so einen Politiker, sondern so ein Politiker braucht die Menschen. Freie Publizisten publizieren derartige Vorgänge, mischen aber nicht mit.

Sie hätten zu Ende studieren sollen

Als Parteimitglied geben Sie nun auch noch an, Politikberater zu sein. Wen beraten Sie aktuell als CDU-Mitglied denn? Die Grünen? Und zu welchen Themen beraten Sie? Wie man sein Profil bis zur Unkenntlichkeit verwischt?

Die Fuldaer Zeitung beschäftigt Sie als Kolumnisten. Eine kluge Zeitung stellt normalerweise ihren wertvollen Platz nicht regelmäßig einem Parteigänger oder Lobbyisten zu Reklamezwecken zur Verfügung. Schon gar nicht, wenn er auch noch Mitglied der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ist, deren oberstes Ziel die Unterwanderung der Medien ist. Warum die kleine Fuldaer Zeitung die Grenze zwischen Journalismus und PR verwischt und nicht zwischen Gastbeitrag und Kolumne unterscheiden kann, lässt sich nur so erklären, dass sie sich ein Beispiel am großen Focus genommen hat. Zuvor durften Sie auf Focus online im Webblog jahrelang Texte absondern.

Sie hätten, lieber Oswald, Ihr Studium der Rechtswissenschaften zu Ende studieren sollen, dann wären Sie vielleicht als hektischer und wichtigtuerischer Advokat geendet. Stattdessen schwimmen Sie seit fast 40 Jahren wie Treibholz durchs Land, und man weiß nie, durch wessen Posaune Sie tröten. Ich nenne so etwas auch eine Form von Sozialhilfe.

Es grüßt und beeinflusste die öffentliche Wahrnehmung durch die bloße Kraft von Tinte und Thesaurus, Ihre Kommunikationsberaterin Mely Kiyak.

Mely Kiyak ist freie Autorin.

Autor:  Mely Kiyak
Datum:  13 | 8 | 2010
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