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16. Juli 2014

Montagsdemos: Das Ende der Mahnwichtel

 Von 
Ken Jebsen stellt sich auch alleine auf den Potsdamer Platz und mahnt, behauptete er auf seiner mäßig besuchten Montagsdemo.  Foto: imago stock&people

Am vergangenen Montag zieht Ken Jebsen, einer der Leitfiguren der sogenannten Montagsdemonstrationen, noch einmal richtig vom Leder. Dass seiner Bewegung mittlerweile die Massen wegbrechen, schert ihn nicht.

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Angefangen hat es in der Woche vor Ostern, als die Kommentarspalten und Facebook-Auftritte deutscher Nachrichtenmedien mit diffusen Aufrufen zu Montagsdemos im großen Stil zugespamt wurden. Die Kommentare waren meist abgekoppelt vom jeweils publizierten Inhalt, bezogen sich aber auf die Krise in der Ukraine, um die Medien der kollektiven Lüge zu bezichtigen.

Tatsächlich ging diese an die traditionellen Marktschreier angelehnte Strategie der immer gleichen Phrasen eines bunten Mix‘ aus pseudo-pazifistischer Feindbildkonstruktion, Esoterik  und zelebriertem Personenkult einige Wochen durch. Dass sich um die Leitfiguren Ken Jebsen, Jürgen Elsässer und Lars Mährholz auch Rechtsradikale scharen, hat sich jedoch herumgesprochen, und auch wenn sich die selbsternannte Bewegung noch nicht ganz abgeschafft hat, führt sie mittlerweile ein Nischendasein. Darüber freute sich Ex-Journalist Jebsen am 14. Juli auf der Montagsmahnwache in Berlin, der es „total geil“ fand,  zu einem „ganz exklusiven Klub von ganz wenigen Leuten“ zu gehören.

Und Ken Jebsen zog  nochmal so richtig vom Leder, fabulierte von den bewegten Menschen in einer Provinz, die es gar nicht mehr gibt - denn „auch Düsseldorf hat W-LAN“ -, und nahm der Handvoll Strammer die Angst vor dem Wegbrechen der friedensbeseelten Massen. Seine Zielgruppe sei der Mensch, und Sorgen mache er sich keine, denn man müsse „das, was wir hier haben, als etwas verstehen, was man vielleicht mit dem Bergsport vergleichen kann“.  Mit einem ziemlich exklusiven Bergsport, dessen Aktivisten in einem ziemlich exklusiven „Basislager“ ausharren, das „keine Tausende braucht, die alle auf den Gipfel“ wollen. Einer, der ohne Anstrengung auf den Gipfel will, „der reißt sowieso nichts“.

Sportmetaphorisch aus dem Vollen  

Da saßen sie also auf dem Potsdamer Platz in ihrem exklusiven Bergsteigerklub und träumten von Ameisen und Zugvögeln, die die metaphererprobte  Führungspersönlichkeit schon früher ins Feld geführt hatte, um den Gedanken anzustoßen, dass es sich sehr wohl auch ohne die leidige Demokratie auskommen lässt.  

„Kommt, mal Applaus für Deutschland, wir sind Fußballfans“,  griff Jebsen schließlich den aktuellen deutschen Siegestaumel auf. Das mahnende Grüppchen applaudierte so laut es ging, als der sportmetaphorisch aus dem Vollen schöpfende Jebsen Schiedsrichter auf der großen politischen Bühne einforderte, die den „starken Männern der Weltpolitik die Rote Karte“ zeigen. „Fair Play“ hallte es wiederholt in den Berliner Abendhimmel und niemand hatte nur den geringsten Zweifel daran, wer die Regeln des „Fair Play“ im Jebsschen Gedankenmodell bestimmt. 

Natürlich kann die immer gleiche Phrasendrescherei ewig so weiter gehen, solange sich die Mahnwacher, Mahnwichtel oder Wahnwichtel nur selbst zuhören. Und auch Jebsen kann die Tatsache nicht wegquasseln, dass zu einer Bewegung Menschen gehören und keine Anhängerschaft, die sich verhält wie kleine Kinder im Kasperletheater, die auf Kommando aufstehen, sich wieder hinsetzen und dem Kasperle applaudieren.

„Ich bin eine Alternative“, findet Ken Jebsen, fordert den Mut, um den es auch bei Jesus Christus gegangen sei, und verlangt, dass der Kapitalismus endlich lernt,  „nichts herzustellen, denn nichts schadet keinem.“ Und Ken Jebsen braucht auch nichts, zumindest „nicht viel“ – schon gar nicht den gesunden Menschenverstand seiner Anhänger.

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