Vattenfall betrügt und die Behörden schlafen
So, so, das hat der Kraftwerkschef "vergessen", die von den Behörden geforderten Sicherheitseinrichtungen nachzurüsten. Und kaum läuft dieses Atomkraftwerk, passieren Störfälle, die genau diese vergessenen Sicherheitseinrichtungen verhindern sollten.
Es ist einerseits haarsträubend, mit welcher Nonchalance Vattenfall mit einer Hochrisiko-Technologie umgeht. Mindestens genauso haarsträubend ist es allerdings, dass die Aufsichtsbehörden offensichtlich nicht mal die Einhaltung ihrer Auflagen überprüfen, bevor sie Genehmigungen erteilen.
Ich würde nicht von "Vergessen" reden, wenn nicht nachgerüstet wurde, sondern von Betrug, der nur dadurch möglich ist, dass die Behörden schlafen. Also: Nicht nur Vattenfall gehört die Betreiber-Lizenz entzogen, sondern den Ländern ebenfalls die Atomaufsicht, die bei solch einem Schadenspotenzial in Bundeshand gehört. Martin Matthiesen, Frankfurt/M
Unfall hatte nichts mit dem Kernreaktor zu tun
Die Überschrift "Gefährliche Schrottmeiler" ist unter dem Niveau der renommierten Frankfurter Rundschau. Am 4.7. erfolgte im Kernkraftwerk Krümmel eine Reaktorschnellabschaltung nach einem Schaden an einem Transformator, der sich außerhalb des eigentlichen Kernkraftwerkes befindet, hat also nichts mit dem eigentlichen Kernreaktor zu tun. Nach der internationalen Skala zur Bewertung von Vorkommnissen in Kernkraftwerken ist die Schnellabschaltung von Krümmel am 4.7.09 ein Ereignis der Stufe Null, d. h. es hat keine oder nur geringe sicherheitstechnische Bedeutung. Es trat keine Radioaktivität aus. Ludwig Lindner, Marl
Klar, kommt vor, und alles ist sicher
Wie war das noch: In der Umgebung von Krümmel gibt es die höchste Rate an Leukämiefällen? Das hat natürlich überhaupt nichts mit dem KKW zu tun - Gott bewahre! Und dass ein Kraftwerksbetreiber schon mal ,vergisst' Überwachungsgeräte einzubauen - ja nun, das kommt halt mal vor, hat aber auch überhaupt nichts mit der Sicherheit der Kernenergie insgesamt zu tun, denn es war ja NUR ein Transformator. Die Kernenergie ist ja neuerdings nach Lesart von Schwarz-Gelb sogar ökologisch - wenn man mal den ganzen Müll nicht beachtet. Mann, ich hab inzwischen SO einen Hals! Dieter Künnecke, Offenbach
Weder umweltfreundlich noch unabhängig
Es ist zwar zutreffend, dass die atomar erzeugte Energie auf den ersten Blick durch ihre Ersparnis an CO2-Emissionen umweltfreundlich erscheint. Doch zeigen bereits die Vorfälle im Salzstock Asse vom Sommer letzten Jahres die schmutzige Seite dieser vermeintlich sauberen Energie. Und wenn Atomliebhaber behaupten, man könne sich durch ein Festhalten an der Kernkraft von Energieimporten unabhängiger machen, so ist dies aus drei Gründen fadenscheinig. Erstens: Niemand heizt mit Atomenergie seine Wohnung oder betreibt damit sein Fahrzeug. Zweitens: Genauso wie Erdöl und Erdgas ist Uran eine endliche Ressource, die innerhalb der nächsten Dekaden zur Neige gehen dürfte. Und drittens: Uran muss ebenfalls importiert werden - übrigens auch aus Russland.
Moritz Krell & Manuel Vesely, Berlin
Auch neue Meiler nichtbeherrschbar
Das AKW Krümmel ging erst am 14.9.83 ans Netz und könnte "theoretisch" bis zum Jahr 2016 laufen. Das offenbart das grundlegende Dilemma jenes "Atomkompromisses": Atomkraft ist nicht beherrschbarer, wenn es um neuere Reaktoren geht. Bei der Übertragung von Reststrommengen von alten auf neuere Reaktorlinien bleibt im Übrigen das Atommüllprobleme.
Wolfgang Ehmke, Zernien

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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