Man kann vor einem Gericht oder Untersuchungsausschuss viel tun. Eines aber sollte man besser lassen: dessen Mitglieder beschimpfen. Dies gilt umso mehr, wenn die Indizien gegen einen sprechen. Der Staatssekretär im Bundesinnenministerium Klaus-Dieter Fritsche hat sich an diese goldene Regel nicht gehalten. Das verwundert umso mehr, als das CSU-Mitglied selbst von 1981 bis 1988 Richter am Amtsgericht im bayerischen Ansbach gewesen ist.
Eva Högl, SPD-Obfrau im Untersuchungsausschuss des Bundestags: „Wir haben zwar gestern die Akten bekommen, aber die Darstellung von Herrn Henkel kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, dass der Generalbundesanwalt ihn angeblich angewiesen habe, die Akten dem Untersuchungsausschuss nicht zur Verfügung zu stellen.“
Foto: dpaAuch sonst war der Auftritt Fritsches entlarvend. Zwar hat der Verfassungsschutz massenhaft Akten geschreddert, brauchte das Ministerium immerhin ein dreiviertel Jahr für die Anweisung, um damit mal aufzuhören, wurde zudem die Identität von V-Leuten im Umfeld des NSU systematisch geheim gehalten. Und erst am Mittwoch stellte sich auch noch heraus, dass ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes dem Ku-Klux-Klan geheime Informationen verraten haben soll; Unterlagen zu einer einschlägigen Abhöraktion wurden vernichtet.
Kurz: Der Wahnsinn nimmt kein Ende. Doch ein seit 1996 Hauptverantwortlicher stellt sich hin und erklärt: alles halb so wild. Wenn nur dieser Untersuchungsausschuss und die doofen Medien nicht wären.
Er meint das tatsächlich ernst.
Fritsche ist augenscheinlich nicht bereit, sich kritisch den eigenen Versäumnissen zu stellen und nichts als die Wahrheit zu sagen. Wie es mit solchen Leuten besser werden soll, ist schleierhaft.
Leitartikel, Analysen und Kolumnen unserer Autoren und Korrespondenten
"Was können die Leserinnen und Leser jetzt tun, um der Frankfurter Rundschau zu helfen?", fragte die FR den Insolvenzverwalter Frank Schmitt im Interview.
Seine Antwort: An den Kiosk gehen und die Frankfurter Rundschau kaufen und Anzeigen schalten. "Alles, was aktuell zum Umsatz beiträgt, ist hilfreich."
Die Zeitung erhalten Sie aktuell im Solidaritäts-Abonnent.
Die preisgekrönte FR-App bekommen Sie ebenfalls im Abo als Paket mit unserem E-Paper oder im Einzelverkauf im App-Store und bei Google Play.
Anzeigen sind möglich in Zeitung, App und auf der Website. Der Verlag informiert über die Konditionen.
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.