Wer führt Irland? Ein Mann. Wer Griechenland? Ein Mann. Gleiches gilt für Portugal, Frankreich und Italien. Hier liegt der Euro im Pfeffer. Jeder, der Grammatik nicht prinzipiell ablehnt, sollte das längst begriffen haben.
Männer neigen dazu, Frauen für alles verantwortlich zu machen, was schiefläuft, was daran liegt, dass Begriffe wie Krise, Erde, Atomkraft, Eurozone, Ölpest, Cholera, Herzinsuffizienz, Rüstungsindustrie, Ratingagentur, Umwelt und Zerstörung durch die Bank weiblichen Geschlechts sind. Dabei wird oft übersehen, dass auch die Macht feminin ist, ebenso wie Politik, Hochfinanz, Volksvertretung. Viele Männer nennen ihre Ehefrauen scherzhaft meine Regierung. Das ist zu wahr, um schön zu sein, trifft aber den Kern. Es heißt noch der Herr, aber schon die Herrschaft, alle Herrschaftsformen sind weiblich: Demokratie, Monarchie, Korruption, Anarchie, Diktatur, Tyrannei.
Gut, der Kommunismus ist männlich, aber eine Utopie, und die ist wieder weiblich. Das Plebiszit tut so, als wär es neutral, heißt aber Volksentscheid. Dieser ist männlich und deshalb als Regierungsform ungeeignet. Das tut mir leid für Stuttgart 21.
Der Kapitalismus ist auch männlich, aber keine Herrschaftsform, sondern höhere Gewalt. Da kann man machen nix, der Mensch denkt, das Kapital lenkt, aber wohin? Das ist die Frage, die keiner beantworten kann außer den Bewahrern des Glaubens, den Stellvertretern Gottes auf Erden: Moody’s, Fitch, Standard and Poor’s.
Unser Finanzsystem ist ein System, das selbst seine Systematiker nicht begreifen, genau das macht dieses System so unfehlbar. Geld ist Gott, und Gott ist tot, aber das macht nix, denn jeder ist ersetzbar. Hatten Zeus, Hauptgott der Griechen, und Jupiter, spiritueller Chefcoach der Römer, abgewirtschaftet, brachten wir Jahwe, den lieben Gott und Allah ins Spiel, als diese Götter aufgeweicht waren, übernahmen Lire, Drachme, Escudo, Deutschmark und andere das Zepter. Der Euro läutete das Ende des Polytheismus ein, hat aber viele seiner Anhänger enttäuscht. Die Schar der Gläubigen schrumpft täglich, und nun warten wir gespannt auf den nächsten Erlöser.
In Italien wird demnächst mit Berlusconis bezahlt, der Mann und sein Gemächt haben sich als derart stabil erwiesen, dass sie als harte Währung taugen. Berlusconi steht für all die Tugenden, die Italiens Mafia zur drittgrößten Volkswirtschaft Europas machten. Bereits mit 33 baute Silvio seine erste eigene Stadt, Milano Due. Woher das Geld kam? Das bleibt das Geheimnis einer Schweizer Bank mit sizilianischem Akzent. Mit 34 war er Millionär, aber Bauleiter war ihm zu wenig, er wollte Gauleiter werden von ganz Oberitalien. Dazu brauchte er die Medien, weshalb er sie kaufte. Oldschool-Despoten wie Hitler & Co. mussten sie noch gleichschalten. Er besitzt neben Hostessendiensten und einem Fußballclub auch eine Partei, Forza Italia, das klingt nach schlechter Verdauung, aber Berlusconi ist ein begnadeter Kunstfurzer, weshalb sich die Italiener immer wieder für ihn entscheiden. Er steht für Erfolg, Flexibilität, Steuerphobie, Potenz, straffe Haut, Wirtschaftskraft und für die geballte italienische Männlichkeit, die wiederum ist sehr weiblich, weshalb Berlusconis als Zahlungsmittel wünschenswert sind. Wir brauchen mehr Weiblichkeit, es heißt nicht grundlos die Volkswirtschaft; denn ohne Frauen wird Geld schlecht.
Thomas Reis ist Kabarettist.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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