Aktuell: Museumsuferfest Frankfurt | Türkei | US-Wahl | FR-Serie: Fintechs
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Meinung
Kommentare, Kolumnen, Analysen

24. Januar 2014

Petition gegen Markus Lanz: Lanz und Wagenknecht

 Von Jörg Thadeusz
Einseitiges Gespräch: Moderator Markus Lanz (l.) mit der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht und Journalist Hans-Ulrich Jörges.  Foto: dpa

Darf Markus Lanz ein Interview auf die Art führen, wie er es mit Sahra Wagenknecht getan hat? Und ist es angebracht, deshalb gleich eine Petition zu starten? Unser Kolumnist Jörg Thadeusz macht sich darüber so seine Gedanken.

Drucken per Mail

Es gibt noch nicht genug Petitionen. Warum nicht? Weil es noch keine von mir gibt. So denkt wohl jemand, der in diese Welt eine weitere massive Forderung entlässt. Die Anti-Markus-Lanz-Aktivistin Maren Müller beschreibt, sie hätte sich so sehr über Lanz geärgert, dass sie nicht schlafen konnte. So was kenne ich von mir und anderen. Wer nicht schlafen kann, macht halt irgendwas. Putzt seine Fenster oder isst einen Teller Gulaschsuppe.

Frau Müller wollte das alles nicht. Stattdessen formulierte sie eine Petition. Die technischen Möglichkeiten führen den Erregten in die Versuchung, vielleicht doch noch schnell eine Bewegung zu gründen. Wo es früher der Leserbrief tat, muss heute eine Kampagne her. Schließlich wissen wir, dass ein vages Anti-Gefühl genauso schnell Hunderttausende Unterstützer finden kann, wie ein Bild von einem fünfpfotigen Känguru Klicks bekommt.

Höflich oder unhöflich

Niemand muss sich mit Maren Müller in einer Kneipe treffen, um dann dort mühselig eine Tagesordnung für die Sitzung der Anti-Lanz-Liga zu entwerfen. Wer Markus Lanz auch „irgendwie“ doof findet, bleibt auf dem Sofa liegen und klickt mal kurz. Mutiger Widerstand eben.

Frau Müller, ehemaliges SPD-Mitglied, ehemaliges Linkspartei-Mitglied, behauptet, sie habe vor allem gestört, wie unhöflich Markus Lanz Sahra Wagenknecht behandelt habe. Eine Petition für mehr Höflichkeit würde ich mit glühendem Eifer unterstützen. Sahra Wagenknecht verdient den gleichen Respekt, den auch weniger radikale Politiker genießen. Schließlich ist sie auch eine höfliche Frau.

Es sei denn, der israelische Präsident Schimon Peres redet im Deutschen Bundestag. Der erinnerte im Februar 2010 im deutschen Parlament zum Holocaust-Gedenktag an seinen Großvater, den die Nazis umbrachten. Nach der Rede erhoben sich alle Parlamentarier, mit Ausnahme von Sahra Wagenknecht und Christine Buchholz. Wenn dann von Antisemitismus bei den Linken die Rede ist, sind niemals die Linken selber schuld. Sondern die Medien, die aus böser Absicht nicht verstehen wollen, warum Frau Wagenknecht danach zumute war, einen Staatsgast zu beleidigen.

Dabei versteht Frau Wagenknecht das Spiel mit den Medien sonst so virtuos wie Sylvie van der Vaart. Ein bisschen Sex, ein bisschen Tabubruch mit dem Wort Kommunismus und ganz viele Auftritte in Talkshows. Sie ist so geübt in Interviewsituationen, dass sie Fragen lediglich als beiläufiges Geräusch wahrnimmt, während sie ununterbrochen spricht.

Erprobte Technik

Die Technik, die Markus Lanz wählte, um ein Gespräch mindestens zu simulieren, ist erprobt. Der BBC-Interviewer Jeremy Paxman unterbrach den Politiker Michael Howard zwölfmal mit der immer selben Frage. Stephen Sackur von der BBC-Sendung „Hardtalk“ konfrontierte den niederländischen Populisten Geert Wilders mit der Feststellung „Sie sind Rassist“. Der Interviewer Mike Wallace sprach in der legendären US-Sendung „60 minutes“ seinen Interviewpartner Ayatollah Khomeini als „Geisteskranken“ an.

Wer in ein Flugzeug steigt, darf selbst dann die Landung nicht mitgestalten, wenn er eine bessere Klasse gebucht hat. Warum glaubt Frau Müller, sie hätte mit 17,98 Euro Rundfunkbeitrag das Recht erworben die Art der Interviewführung auf allen Kanälen zu bestimmen? Manchmal ist es gar nicht schlecht, nachts einfach noch einen Teller Gulaschsuppe zu essen.

Jörg Thadeusz ist RBB-Moderator.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Zivilschutz

Von Angstpolitik profitieren die Populisten

Von  |
Erstaunlich, dass ein paar nicht mal ganz neue Tipps zur Vorratshaltung eine solche  mediale Erregungsspirale  auslösen können.

Demokraten müssen aufhören, die rechte Politik der Angst zu imitieren. Die Gesellschaft kann sich nicht gegen jedes Risiko schützen, sie kann aber Schwächen erkennen und beseitigen. Der Leitartikel.  Mehr...

Volkswagen

Falsche Unterstützung

Die Bänder rollen wieder: Volkswagen hat sich mit dem Zulieferer Prevent geeinigt.

Politiker haben sich im Streit zwischen Volkswagen und Prevent einseitig aufi die Seite des Konzerns geschlagen. Dieses Fehlverhalten gefährdet das Projekt VW. Der Leitartikel.  Mehr...

Verlagsveröffentlichung


Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Videonachrichten Politik
Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Anzeige

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung