Der zurückgetretene CIA-Chef David Petraeus ist kein Held, und ein Heiliger schon gar nicht. Als nach den Anschlägen vom 11.September 2001 der ehemalige US-Präsident George W. Bush einen Krieg gegen den Irak anzettelte, marschierte Petraeus mit – obwohl der Krieg völkerrechtswidrig war, obwohl er auf erlogenen Berichten über angebliche Massenvernichtungswaffen basierte.
In den USA wird Bushs ehemaliger Lieblingsgeneral trotzdem bis heute verehrt, die Kritik einiger Linker ("General Betray Us") prallte weitgehend an ihm ab. Petraeus kam mit der Logik des Militärs durch: Befehl ist Befehl, und ein Befehl wird befolgt. Selbst in der Regierung Obamas konnte Petraeus nach dem unrühmlichen Ende der Amtszeit Bushs Karriere machen, erst im Irak, dann als Oberbefehlshaber in Afghanistan, schließlich als CIA-Chef.
Meistens machte er seine Arbeit gut, als Befehlshaber predigte er immer wieder den Respekt vor Zivilisten. So richtig kritisiert wurde Petraeus erst für die misslungene Verteidigung des US-Konsulats in Bengasi; bei einem terroristischen Angriff starben ein Botschafter und drei Angestellte.
Nun ist Petraeus zurückgetreten, allerdings aus einem ganz anderen Grund. Der Vorzeigegeneral räumte das Feld, weil er – oh Schreck! – eine außereheliche Affäre hatte. Die Biografin war’s, eine brünette Elitesoldatin namens Paula Broadwell, die einen Sternegeneral offenbar gleichsam gut zu bedienen weiß wie eine Heckler & Koch.
Täglich kommen jetzt mehr Details ans Licht, eines unbedeutender als das andere. Paula esse gerne bei Kerzenschein zu Abend, ließ sich die „New York Times“ von Nachbarn erzählen, und auch deutsche Zeitungen sind seit einigen Tagen vollgedruckt mit Intimitäten über die angebliche Verführerin.
Dass so ein Affärchen einen Petraeus zu Fall bringt, ist Realsatire. Ein Seitensprung gilt den US-Puritanern nun also als Zeichen dafür, dass einer nicht mehr für sein Amt geeignet ist? Absurd. Es wäre doch weitaus unmenschlicher, wenn einer wie Petraeus, so berühmt und so oft weg von Zuhause, immer nur brav auf seine Frau warten würde und umgekehrt seine Frau auf ihn.
Ein sogenanntes Argument für seinen Rücktritt ist auch, dass Petraeus seiner Liebhaberin möglicherweise militärische Geheimnisse verraten hat. Harte Beweise gibt es allerdings keine, und nur die Liebschaft rechtfertigt diese Unterstellung nicht. Oder ist es etwa ein berechtigter Schluss, dass einer gleich alles verrät, sobald er seine Hose aufmacht?
Sicher hat auch Klatsch seine Berechtigung, aber wir sollten uns klarmachen, dass es einen gewaltigen Unterschied gibt zwischen Rosenkrieg, echtem Krieg und Politik. Und dass folgerichtig für die Fähigkeiten eines Generals dessen Bettgeschichten etwa so relevant sind wie die Konsistenz von Mozarts Stuhlgang für das Gelingen seiner "Zauberflöte".
Eine öffentliche Lüge wie die von Bill Clinton in der Lewinsky-Affäre ist ein gerechtfertigter Grund für einen öffentlichen Rücktritt. Ein privater Fauxpas ist es nicht.
David Petraeus, geboren 1952, war einer jener ordenbedeckten US-Generäle, mit denen sich amerikanische Politiker nur zu gerne umgeben, wenn sie ihren eigenen Patriotismus und ihre vermeintliche "harte Hand" hervorheben wollen. Petraeus aber war kein typischer US-Militär.
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