Nicht durch den fragwürdigen und von der Mehrheit abgelehnten Krieg in Afghanistan; nicht durch die Widersprüche, in die er sich bei der Bewertung des tödlichen Bombardements von Kundus verstrickte; nicht durch die Kaltblütigkeit, mit der er die Verantwortung an Untergebene delegierte und diese feuerte. Sondern durch abgeschriebene Passagen in einer Doktorarbeit, die niemanden interessiert.
Dem Baron erschiene es sicher ungerecht, sollten die Plagiatsvorwürfe ihn den Doktortitel und vielleicht die nächsten Karriereschritte kosten. Tatsächlich handelt es sich ja, gemessen an seinen sonstigen Verantwortlichkeiten, um eine Lappalie. Und doch wohnt der Tatsache, dass der politisch kaum relevante Vorgang nun so bedeutend erscheint, eine tiefere Gerechtigkeit inne.
Nicht diejenigen, die die Doktorarbeit hervorkramten, haben die Person des Ministers in den Mittelpunkt und seine Politik in den Schatten gerückt. Es war Guttenberg, der diesen Weg der apolitischen Selbstvermarktung – man könnte auch sagen: der Trivialisierung von Politik – betrat. Genau das fällt jetzt auf ihn zurück. Nicht seine Politik könnte über seine Zukunft entscheiden, sondern eine Frage persönlicher Glaubwürdigkeit. Solange die als unbeschädigt galt, durfte der Mann in Afghanistan machen, was er wollte. Sollte er jetzt für Versagen auf einem Nebenschauplatz die Quittung bekommen – man könnte vielleicht endlich mal wieder über Krieg und Frieden reden.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
FR-Online.de möchte Lesern unter vielen Texten zielführende Diskussionen ermöglichen. Die Redaktion prüft Beiträge in verschiedenen Verfahren.