Die Kanzlerin hat ihren Planungschef ausgetauscht. Mitten in der Wirtschaftskrise, nach monatelangem Hin- und Hergewurstel der Regierung. Fängt sich also nun die Koalition? Möglich ist das, aber mit der Personalie muss das nichts zu tun haben. Die neue Leiterin des Planungsstabes im Kanzleramt, Eva Christiansen, hat Angela Merkel schließlich schon bisher beraten.
Die 40-Jährige war eine Art inoffizielle Regierungssprecherin mit dem Titel Medienberaterin der Kanzlerin. Sie nahm an den morgendlichen Besprechungsrunden im Kanzleramt teil, begleitete Merkel auf Termine und in die Koalitionsverhandlungen, führte Hintergrundgespräche mit Journalisten. Nur gab sie eben - im Unterschied zum Regierungssprecher - keine Pressekonferenzen. Es wäre logisch gewesen, wenn die so freundliche wie resolute Christiansen Regierungssprecherin geworden wäre, als Merkel 2005 zum ersten Mal Kanzlerin wurde.
Die Volkswirtin aus Köln arbeitete bereits in der CDU-Pressestelle, als Angela Merkel 1998 Generalsekretärin wurde. Merkel machte Christiansen zur Chefsprecherin der Partei. Als sie Fraktionsvorsitz und Oppositionsführung übernahm, folgte Christiansen ihr in die Fraktionspressestelle. Merkel, Christiansen, Büroleiterin Beate Baumann und die junge, inzwischen in die Wirtschaft abgewanderte CDU-Präsidin Hildegard Müller, das war fortan das in der männergeprägten CDU misstrauisch beäugte "Girls Camp".
Aus dem stieg Christiansen nach der Bundestagswahl 2005 erst einmal aus. Sie bekam eine Tochter und nahm eine Auszeit. Das Sprecheramt ging - angeblich auf ihre Empfehlung - an den Stoiber-Mann Ulrich Wilhelm. Der war auch noch da, als Christiansen 2007 wiederkam. Also wurde für sie die Stelle der Medienberaterin im Kanzleramt geschaffen. Einen Teil ihrer Arbeit erledigt Christiansen von zu Hause aus, um sich besser um ihre Tochter kümmern zu können. Ihr Mann arbeitet als Anwalt in Köln.
Vorgänger will sich beruflich weiter entwickeln
Der Aufstieg Christiansens liegt angeblich daran, dass ihr Vorgänger, Matthias Graf von Kielmannsegg, sich beruflich verändern wollte. Kielmannsegg wird sich im Kanzleramt künftig mit Bildungspolitik beschäftigen. Christiansen übernimmt seinen bisherigen Posten zusätzlich und ist nun künftig auch ganz offiziell verantwortlich für wichtige Kanzlerinreden und die Jahresplanung der Regierung
Man kann aus der Zusammenlegung der beiden Posten schlussfolgern, dass Merkel in der Krise spart. Oder dass es übertrieben war, sowohl eine Medienberaterin als auch einen Planungschef zu haben. Auf jeden Fall ist es so, dass nun der enge Kreis um Merkel noch enger wird.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
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