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17. Juni 2010

Porträt Klaus Regling: Der Retter des Euro

 Von Gerold Büchner
Klaus Regling, 59, Ökonom, wird in Luxemburg den Hilfsfonds der EU für klamme Mitglieder verwalten. Einst war er unbeliebt bei vielen Staaten, doch jetzt ist er ihr Helfer in der Not.  Foto: dpa

Klaus Regling, 59, Ökonom, wird in Luxemburg den Hilfsfonds der EU für klamme Mitglieder verwalten. Einst war er unbeliebt bei vielen Staaten, doch jetzt ist er ihr Helfer in der Not. Von Gerold Büchner

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Profilierte Ökonomen gibt es, grob gesagt, in zwei Ausprägungen. Die einen reden gerne öffentlich und hören sich noch lieber dabei zu; sie sind häufig als Fernsehexperten bei aller Art von Krisen anzutreffen oder in Sachverständigenräten und ähnlichen Gremien, die viel zu sagen und wenig zu melden haben.

Der andere Typus hält sich mit Äußerungen zurück, nimmt aber - vielleicht gerade deshalb - umso mehr Einfluss auf den Gang der Dinge. Zu dieser zweiten Kategorie zählt Klaus Regling, der von Juli an den EU-Rettungsfonds für finanziell angeschlagene Mitgliedstaaten verwalten soll.

Der Topf, über den heute auch die EU-Regierungschefs bei ihrem Gipfel in Brüssel beraten, könnte kaum vorstellbare 440 Milliarden Euro umfassen. Mit dem Geld wollen die besser situierten Partner, allen voran Deutschland, klamme Euro-Länder wie Spanien oder Griechenland im Notfall vor der Pleite bewahren.

Der 59-jährige Regling soll auf den Finanzmärkten die dafür notwendigen Kredite besorgen, die dann staatlich abgesichert werden. Ziel ist es, die Gemeinschaftswährung zu stabilisieren und damit auch die europäische Wirtschaft. Der Geburtshelfer des Euro darf nun den Rettungssanitäter spielen.

Maßgeblicher Mitgestalter der Währungsunion

Denn Stabilität und Konjunktur waren schon früher Reglings Hauptbetätigungsfeld. In den 90er Jahren gestaltete er als Mitarbeiter von Finanzminister Theo Waigel die europäische Währungsunion maßgeblich mit. Ergebnis war der Stabilitäts- und Wachstumspakt mit seinen strengen Regeln für die öffentlichen Haushalte - an die sich nur leider kaum eine Regierung gehalten hat. Auch Deutsche und Franzosen gehörten mal zu den Sündern, die von Brüssel angeprangert wurden.

Absender der "blauen Briefe" war wiederum Regling, 2001 aufgestiegen zum Generaldirektor Wirtschaft und Währung in der Europäischen Kommission: Vom Miterfinder des "Stabi-Pakts" war er zu seinem wichtigsten Hüter geworden. In Berlin und anderen Hauptstädten hat ihm das wenig Freunde eingetragen, und nachhaltiger Erfolg blieb ihm versagt, wie der Beinahe-Zusammenbruch Griechenlands und die Euro-Krise zeigen.

Ein bisschen frustriert schied er 2008 aus dem EU-Dienst und ging als Professor nach Singapur. Für einen Spitzenbeamten war das ungewöhnlich, für Regling indes typisch: Weil er mit Waigels Nachfolger, dem Selfmade-Ökonomen Oskar Lafontaine uneins war, wechselte er schon 1998 aus dem Bundesfinanzministerium zu einem Londoner Hedgefonds.

Helfer in der Not

Das Risikokapital, das seinen Anteil an der jetzigen Krise hat, kennt er also ebenso wie die betuliche Bürokratie öffentlicher Institutionen. Mit beidem wird er in seinem neuen Job bei der in Luxemburg ansässigen Rettungsgesellschaft zu tun haben, wenn auf den Finanzmärkten wieder gegen den Euro spekuliert wird und die EU-Regierungen intervenieren wollen.

Vor allem die Staaten, denen an mehr Haushaltsdisziplin liegt - namentlich die Nord- und Mitteleuropäer mitsamt den Deutschen - haben den einst Ungeliebten nun wieder zu Hilfe gerufen. Neben der Sachkenntnis dürfte ein Grund sein, dass seine Unabhängigkeit außer Zweifel steht. Regling ist ein Mann mit Grundsätzen, die er stets auch gegen Widerstände vertreten hat.

Nur einmal hat er sich öffentlich korrigiert: Vor zwei Jahren, als sich die Finanzmarkt- zur Wirtschaftskrise auswuchs, plädierte auch er für ein großes Konjunkturprogramm, "zum ersten Mal in meinem Berufsleben". Das aber sagte er noch als selbständiger Ökonom. Künftig wird Regling wieder schweigen.

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