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Porträt: Wandlungen eines Reformers

Kurt Koch ist der neue "Ökumeneminister" des Vatikan, als Nachfolger Walter Kaspers. Der Bischof aus Basel gilt als enger Vertrauter des Papstes. Von Kordula Doerfler

Im Februar empfing Papst Benedikt den Bischof von Basel zur Privataudienz. Damit wurde das Gerücht, dass Kurt Koch eines der wichtigsten Ämter im Vatikan übernehmen würde, gewissermaßen zur offiziellen Nachricht geadelt. Als ebenso sicher im absolutistischen vatikanischen Nachrichtenuniversum galt, dass die Personalie noch vor der Sommerpause bekanntgegeben würde. Koch selbst wollte sich nie äußern, wie sich das gehört. Aber er dementierte auch nicht. Gestern folgte die Bestätigung.

Der 60-jährige Theologe löst heute, am 1. Juli, den deutschen Kurienkardinal Walter Kasper als Präsident des Rats zur Förderung der Einheit der Christen ab. Er wird, etwas weltlicher ausgedrückt, als "Ökumeneminister" des Papstes den Kontakt zu anderen christlichen Kirchen und den Weltreligionen pflegen, und es besteht kein Zweifel daran, dass er ganz in dessen Sinne handeln wird. Koch gilt als enger Vertrauter des Papstes, ist wie dieser Professor für Dogmatik und der intellektuellste unter den Schweizer Bischöfen. Mehrmals hat er Benedikt verteidigt, ob es um dessen höchst umstrittene Bemühungen ging, die erzkonservativen Pius-Brüder zurückzuholen in die Kirche oder um die Wiedereinführung der Karfreitagsfürbitte, die in der jüdischen Welt auf großes Befremden stieß.

Dabei war Koch, 1950 im Schweizer Kanton Luzern geboren, in jungen Jahren ein romkritischer Reformer. Er verteidigte den Tübinger Professor Hans Küng, auch nachdem diesem die Lehrerlaubnis entzogen worden war. Sehr kritisch äußerte er sich über das Amt des Papstes, "das größte Hindernis auf dem Weg zur Ökumene". Kaum weniger deutlich verurteilte er, dass Frauen vom Priesteramt ausgeschlossen sind.

Nach seiner Ernennung zum Bischof 1995 aber begann die Wandlung des Kurt Koch. Zwar kann er sich immer noch vorstellen, dass eines Tages verheiratete Priester und Frauen ordiniert werden, doch meist schwenkte er auf die Linie Roms ein, zuletzt im Missbrauchsskandal. Im Abschiedsschreiben an die Seelsorger seines Bistums beklagt er die "zunehmende antirömische Stimmung" und nimmt den Papst gegen Vorwürfe in Schutz, hinter das Zweite Vatikanische Konzil zurückzuwollen.

Einen veritablen Kulturkampf hatte der Bischof in der Schweiz damit ausgelöst, dass er 2005 den aufmüpfigen deutschen Priester Franz Sabo vom Dienst suspendierte, der von Bamberg an die Diözese Basel "ausgeliehen" war. Zwar lenkte Koch schließlich ein und war zur Versöhnung bereit. In der Schweiz aber hält sich seither hartnäckig ein Gerücht: Man habe Kurt Koch für sein Nachgeben den Kardinalsposten in Rom versprochen. Selbstverständlich wurde es nie bestätigt.

Autor:  Kordula Doerfler
Datum:  1 | 7 | 2010
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