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13. November 2012

Rassismus in Deutschland: Die Mitte rückt nach rechts

 Von Arno Widmann
Anti-Nazi Demo in Rostock. Foto: dapd

Die Verbreitung rassistischer Vorurteile nimmt zu. Wer die Geschichte der Bundesrepublik kennt, der fragt sich allerdings, wann diese Mitte jemals ganz ohne Fremdenhass auskam.

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Die Verbreitung rassistischer Vorurteile nimmt zu. Wer die Geschichte der Bundesrepublik kennt, der fragt sich allerdings, wann diese Mitte jemals ganz ohne Fremdenhass auskam.

Berlin –  

Die Friedrich Ebert Stiftung untersucht seit Jahren Überzeugungen und Einstellungen der Bundesbürger. Sie möchte wissen, wie stark zum Beispiel rassistisches Denken in welchen Bevölkerungsgruppen vertreten ist. Man kann mit guten Gründen den Wert dieser Befragungen anzweifeln. Manche der inkriminierten Äußerungen, kann man auch anders bewerten. Dennoch bleiben die Ergebnisse der Studie erschreckend. Sie zeigt nämlich, dass die Verbreitung rassistischer und völkischer Vorurteile zunimmt, dass sie die Mitte der Gesellschaft erreicht haben.

Wer die Geschichte der Bundesrepublik kennt, der fragt sich allerdings, wann diese Mitte jemals ganz ohne Fremdenhass auskam. Als vor zwanzig Jahren in Mölln, Rostock, in Hoyerswerda und Solingen Asylbewerberheime und Wohnhäuser angezündet wurden, da hat der dicke, große Kanzler der Bundesrepublik sich nicht schützend vor die „ausländischen Mitbürger“ gestellt, da gab es keine Bürgerbewegung aus der Mitte der Gesellschaft gegen die brandschatzenden Meuten. Bis endlich am Nikolausabend 1992 in München eine halbe Million Menschen an einer unter anderem von Giovanni di Lorenzo – er sei dafür gepriesen – organisierten Lichterkette teilnahmen und so gegen Fremdenhass demonstrierten.

Millionen taten es ihnen überall in Deutschland nach. Mit einem Male wurde deutlich, dass es zwei Mitten gab. Die eine, die ganz traditionell vor allem die herrschenden Institutionen stützt – right or wrong my country – und die andere, die sich dagegen wendet, dass Menschen – gleichgültig woher sie kommen, zu Tode gehetzt werden.

Es ist ein Fehler, nur auf die Gewalttäter zu schauen

Die Friedrich-Ebert-Studien zeigen freilich, dass es ein gefährlicher Fehler wäre, nur den Gewalttätern entgegen zu treten. Man muss den Zusammenhang sehen zwischen denen, die die Anschläge machen, denen, die lachend und höhnend oder einfach nur neugierig dabei stehen und denen, die – vorgeblich oder tatsächlich nichts mit den Tätern und den Taten zu tun haben wollen – dennoch aber sich eifrig daran machen, „gute Gründe“ für die rassistische Verachtung anderer und die hohe Einschätzung der eigenen Gruppe zu finden.

Wir müssen dabei darauf achten, dass wir nicht auf Sprachspiele hereinfallen. Wir sollten es nicht hinnehmen, dass an eben dem Tag, an dem die Stützen der Gesellschaft ein Denkmal einweihen zum Gedenken an die Nazi-Verbrechen gegen Sinti und Roma eben jene Stützen dafür sorgen, dass die zu uns geflohenen Sinti und Roma ausgewiesen werden.

Es geht auch nicht, dass der Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sich bei der Herbsttagung des Bundeskriminalamtes über den Kampf gegen den Rechtsextremismus referiert ohne ein einziges Wort darüber zu verlieren, ob die fatalen „Pannen“ bei der Untersuchung der NSU-Morde nicht vielleicht doch etwas mit einem rassistischen Muster nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in ihren Institutionen, also auch beim Bundeskriminalamt, bei der Polizei zu tun haben könnte.

Sind diese Beschützer der Demokratie alles Demokraten? Kann man über Jahre, ohne einen Beleg dafür zu haben, fixiert bleiben auf die Vorstellung, Morde an Ausländern müssten von Ausländern begangen worden sein? Wie fest betoniert müssen da die Vorurteile sein.

Wer über Rassismus spricht, spricht fast immer über den der anderen. Da ist der Bundesinnenminister, da sind die Chefs von Verfassungsschutz, Polizei und Kriminalämtern keine Ausnahmen. Wir alle sehen den Splitter im Auge der anderen deutlicher als den Balken im eigenen. Wir sind so organisiert. Aber genau darum tun wir uns zusammen.

Wir können uns gegenseitig aufmerksam machen auf die Splitter und Balken. Dazu ist Gesellschaft da. Sie ist auch ein Erkenntnisinstrument.

Betrachten wir einen Moment lang unseren Berufsstand, unseren eigenen Arbeitsplatz. Wie viele Kolleginnen und Kollegen arbeiten in unserer Zeitung, deren Eltern nach Deutschland kamen? Wie glaubwürdig ist unser Ruf danach, die verschiedenen Bevölkerungsgruppen sollten zusammenkommen, wenn wir uns nicht dafür einsetzen, dass sie es auch bei uns tun. In unserer Straße, in unserem Haus und eben auch am Arbeitsplatz.

Es wird derzeit wieder viel über die Frauenquote gesprochen. Aber wäre es nicht an der Zeit, dafür zu sorgen, dass nicht nur in der Polizei, nicht nur in den Kulturinstitutionen, sondern eben auch in den Medien eine – nennen wir es beim falschen Namen, den aber gleichwohl jeder versteht – eine Ausländerquote durchgesetzt wird. Nicht weil die sie, sondern weil wir sie brauchen.

Wie soll ein Medium eine bunte Gesellschaft erreichen, das sich so einfarbig aufstellt?

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