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08. August 2014

Salafismus: Mitten im Dschihad

 Von 
Jesiden demonstrieren in Herford gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat.  Foto: dpa

Wer glaubt, die Vernichtungswut des „Islamischen Staats“ gehe uns nichts an, hat sich getäuscht. Mit dem „Heiligen Krieg“ im Irak und anderswo haben wir eine Menge zu tun.

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Die Veranstalter rechnen damit, dass heute in Bielefeld 10 000 Menschen gegen die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ demonstrieren. Aufgerufen haben zu dieser Demonstration Vertreter der Jesiden, einer kurdischen Glaubensrichtung, über deren Ursprünge die Wissenschaft rätselt. Seit Jahrhunderten werden die Jesiden von sunnitischen Muslimen verfolgt und unterdrückt. Die neuesten Informationen besagen, dass die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ im Nordwesten des Irak innerhalb weniger Tage mindestens dreihundert Jesiden getötet und etwa fünfhundert jesidische Frauen gefangengenommen haben soll. Dagegen demonstrieren seit dem vergangenen Mittwoch Jesiden in Herford und Essen.

Der Reflex auf solche Nachrichten ist: Sollen die doch ihre Konflikte bei sich austragen und uns damit verschonen! Auch wer diesen Reflex nicht teilt, wird ihn wohl verstehen. Das ändert aber nichts daran, dass es ein dummer Reflex ist. Eine Abwehrbewegung. Ein ärgerliches Wegwischen. Man hat keine Lust, sich auf Konflikte einzulassen, von denen man noch nie etwas gehört hat. Jetzt streiten sich also, denkt der empörte Zeitungsleser, Salafisten und Jesiden in der Hansestadt Herford, wo es im 10. Jahrhundert zur ersten Marienerscheinung nördlich der Alpen kam.

Ein anderer Reflex wäre es, sich zu freuen: In Deutschland ist eine freie Auseinandersetzung der unterschiedlichsten Weltanschauungen möglich. Verfeindete Gruppen bringen einander nicht um, sondern streiten miteinander. Auch dieser Reflex ist, betrachtet man sich die Demonstration in Herford, töricht. In Wahrheit will auch diese Reaktion von den Einzelheiten nichts wissen. Sie will sich aus dem Konflikt ebenso heraushalten wie die erste Reaktion.

In Wahrheit sind wir schon lange mitten in diesen Konflikten. Wir liefern Panzer in die entsprechenden Gebiete, wir liefern an die entsprechenden Regierungen, was sie brauchen, um gegen ihre Bevölkerungen vorzugehen. Wir sind nicht nur involviert. Wir mischen uns sehr aktiv ein. Dass wir das nicht vernünftig machen, sehen wir jeden Tag in den Nachrichten. Dass wir es jetzt, da sich die bisher im Nordwestirak einander bekämpfenden Truppen in der Nähe des Hauptbahnhofes von Herford gegenüberstehen, besser tun werden, darf bezweifelt werden.

Aber es wird uns nichts anderes übrig bleiben, als zum Beispiel zu begreifen, dass wir es nicht mit zwei Kriegsparteien zu tun haben, sondern mit einer Schlächtervereinigung namens „Islamischer Staat“, die einen seit Jahrhunderten gepflegten – sagen wir mal – rassistischen Hass gegen Jesiden mobilisiert, um die eigene Position zu stärken. Mit einem Heraushalten ist nicht uns, sondern nur den Kämpfern des „Islamischen Staats“ geholfen.

Wir müssen dem „Islamischen Staat“ entgegentreten

Wenn Jesiden, die vor diesen Verfolgungen in den vergangenen dreißig Jahren nach Deutschland geflohen sind, hier demonstrieren, dann ist das nicht nur ihr Recht, sondern es könnte uns auch helfen zu erkennen, dass im Fokus des internationalen Terrorismus nicht etwa die USA und der Westen stehen, sondern unterdrückte Minderheiten überall in der islamischen Welt. Auch das ist noch viel zu freundlich, also falsch formuliert. Die muslimischen Terrorgruppen terrorisieren in erster Linie die Muslime.


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Als sich Abu Bakr al-Baghdadi, der Führer der Gruppe „Islamischer Staat“, am Freitag vor einem Monat mit einem weltweit verbreiteten Auftritt in der Großen Moschee von Mossul erstmals zeigte, forderte er als erstes die Muslime in aller Welt auf, ihm Gehorsam zu leisten. Für die Verfechter des „Islamischen Staats“ ist jeder, der ihrem Führer nicht gehorcht, ein Ungläubiger. Die zweite Forderung war, ihm im Dschihad zu folgen. Spezifischer wurde er nicht.

Gehorsam gegenüber dem Führer und Heiliger Krieg gehören zusammen. Wir kennen das von den verschiedensten islamistischen Gruppen, wir kennen das aber auch aus Texten von Papst Gregor VII. und natürlich von den totalitären Regimen des 20. Jahrhunderts. Tun wir also bitte nicht so, als käme da etwas völlig Neues auf uns zu, als müssten wir lange forschen, um zu wissen, was nötig ist.

Heute in Bielefeld wird die Polizei darauf achten müssen, dass es bei friedlichen Demonstrationen bleibt. Wir sollten darauf achten, welche muslimischen Organisationen den auch in Herford, Bielefeld und Essen verfolgten Jesiden Schutz anbieten – gegen die Prediger und Praktizierer der Vernichtung, gegen die Männer und Frauen des „Islamischen Staats“.

Der „Islamische Staat“ ist eine der Hass predigenden Organisationen in diesem Land. Wir müssen ihm und ihnen entgegentreten. Wir müssen das nicht, weil wir so dumm wären zu glauben, man könne den Hass verbieten, sondern weil wir verhindern müssen, dass aus der Lust auf die Vernichtung die Lust an der Vernichtung wird. Wir haben da unsere Erfahrungen in Deutschland.

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