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Kommentar: Sarrazins überfällige Kündigung

Die Bundesbank ist noch lange nicht aus dem Schneider. Denn nach allem, was von Sarrazin bekannt ist, wird er sich mit diesem unehrenhaften Rausschmiss nicht abfinden.

Markus Sievers ist Wirtschaftskorrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin.
Markus Sievers ist Wirtschaftskorrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin.

Erstmals in ihrer Geschichte betreibt die Bundesbank die Entlassung eines Vorstandsmitgliedes. Schwer genug hat sich die Führung um Bundesbankpräsident Axel Weber mit diesem Schritt getan. Am Ende war der Schritt überfällig, weil der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin schlicht überzog.

Aus dem Schneider ist Weber damit noch lange nicht. Denn nach allem, was von Sarrazin bekannt ist, wird er sich mit diesem unehrenhaften Rausschmiss nicht abfinden. Nun müssen die Gerichte klären, ob die Ablösung rechtmäßig war oder nicht. So unzweifelhaft die Verfehlungen Sarrazins sind, so eindeutig Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) dessen Thesen als „verantwortungslosen Unsinn“ gebrandmarkt hat, so ungewiss ist der juristische Ausgang.

Weber hatte dennoch keine andere Wahl, nicht nur weil die Polemiken Sarrazins schlicht unerträglich geworden sind. Der Bundesbank-Chef muss die Niederlage vor Gericht riskieren, weil sonst das Gezerre immer weitergegangen und niemals Ruhe in den Laden eingekehrt wäre. Damit aber hätte Weber seine Ambitionen auf den Chefsessel der Europäischen Zentralbank endgültig begraben können. So darf er zumindest hoffen. Wenn es ihm gelingt, die Angelegenheit einigermaßen anständig über die Bühne zu bringen, wird es ihm die Kanzlerin nicht vergessen.

Für die Politik fällt das Urteil so oder so beschämend aus. Dieser Thilo Sarrazin hätte niemals auf die Bundesbank losgelassen werden dürfen. Die Parteien müssen rasch Konsequenzen aus dem Debakel ziehen und für ein neues Berufungsverfahren sorgen.

Autor:  Markus Sievers
Datum:  2 | 9 | 2010
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