Aktuell: Museumsuferfest Frankfurt | Türkei | US-Wahl | FR-Serie: Fintechs
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Meinung
Kommentare, Kolumnen, Analysen

18. April 2012

Schröder-Buch "Danke, emanzipiert sind wir selber": Die Leere im Denken der Kristina Schröder

 Von 
Kristina Schröder am Dienstag bei der Vorstellung ihres Buches in Berlin.  Foto: dpa

Probleme der Frauen? Wen kümmert's! Das Buch von Familienministerin Kristina Schröder offenbart auf erschreckende Weise, wie unpolitisch sie denkt.

Drucken per Mail

Machen Sie sich erstmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen. Vielleicht kennt Kristina Schröder diesen Spruch von Konrad Adenauer, vielleicht auch nicht. Jedenfalls gibt sie sich alle Mühe, danach zu handeln. Seit Frau Schröder vor zweieinhalb Jahren ihr Amt als Bundesfamilienministerin antrat, ist sie mit zwei Dingen beschäftigt: dem verzweifelten Bemühen, öffentlich ernst genommen zu werden, und der Absicht, es allen zu zeigen. Dass sie tough ist und profiliert und durchsetzungsfähig. Schaut her, ich bin schon groß! Und spiele deshalb nicht mehr Prinzessin, sondern Ministerin.

Um Kontur und Anerkennung kämpft Kristina Schröder auch mit dem Buch, das sie mit einer Co-Autorin aus ihrem Ministerium verfasst und am Dienstag vorgestellt hat. Ein frauen- und familienpolitisches Statement soll es sein. Tatsächlich offenbart der Text das Gegenteil: die erschreckende Abwesenheit von Politik. Die Leere im Denken der Frau Schröder, wenn es um das Politische geht. Betrachtet man ihre bisherigen Arbeitsergebnisse, ließ sich das zwar unschwer ahnen. Aber wer hätte geglaubt, dass sie es so bereitwillig ausplaudert?

 Bascha Mika
Bascha Mika

Schröder trennt, was zusammengehört

Eltern ohne Kitaplatz? Deren Problem! Mütter, die auf Minijobs verkümmern? Sollen sie’s doch mit dem Chef ausmachen! Alleinerziehende, die in Altersarmut landen? Wen stört’s? Ehegattensplitting, Lohnungleichheit, Ausschluss von Spitzenjobs? Kann doch jede einzelne Frau sehen, wie sie dagegen anrennt. Was kümmert’s die Politik? Jedenfalls nicht die zuständige Ministerin.

Kristina Schröder versucht, das Private und das Politische radikal voneinander abzugrenzen. Sie unterschlägt die gegenseitigen Einflusssphären und will trennen, was zusammen gedacht werden muss, sollen sich die Verhältnisse ändern. Gesellschaftspolitisch ist das ein vorsintflutlicher Ansatz; von einer Politikerin gedacht, ist das gemeingefährlich. Und feige. Da spricht eine Ministerin sich selbst die Zuständigkeit für das Politische ab. Da leugnet ein Kabinettsmitglied, dass Politik dazu da ist zu gestalten. Da macht sich Frau Schröder frei von Verantwortung. Alles Privatsache!

Klar sollen Frauen ihr Leben „selbst gestalten“, wie die Ministerin fordert. Selbstverständlich können sie nicht nur auf die gesellschaftlichen Strukturen starren, sondern müssen auch die Verantwortung für ihren Lebensentwurf übernehmen. Aber wer ist denn zuständig für die Rahmenbedingungen, in denen sich alles abspielt? Wer entscheidet denn, welches Familien- oder Paarmodell steuerlich unterstützt wird? Wer baut denn Kindertagesstätten und Schulen und macht Vorgaben für die Wirtschaft? Wessen verdammter Job ist das eigentlich?

Kein Wunder, dass Kristina Schröder eine verbindliche Frauenquote für die Wirtschaft verhindern will und beim Ausbau der Kindergärten nichts auf die Reihe kriegt. Und auch kein Wunder, dass diese Ministerin als sehr schwaches Glied im Kabinett gilt, dass selbst CDU-Frauen entnervt mit den Augen rollen, wenn von Schröder die Rede ist und sich Parteikolleginnen öffentlich für deren Ansichten schämen.

„Solange ich Ministerin bin, wird es keine starre Quote geben“, sagte Kristina Schröder kürzlich. Mit anderen Worten: Sie geht freiwillig, wenn die Quote kommt. Soll das etwa eine Drohung sein?

Bascha Mika ist Publizistin.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Burkini-Urteil

Ein Funken Vernunft im emotionalen Dunkel

Von  |
Teilnehmerinnen einer Protestveranstaltung vor der französischen Botschaft in London. 

Das begrüßenswerte Burkini-Urteil bringt Frankreich keinen Rechtsfrieden. Dazu müssten Politiker die wahren Probleme lösen, statt auf Nebenkriegsschauplätze auszuweichen.  Mehr...

Südafrika

Das Ende einer Ära

ANC-Parteichef Jakob Zuma.

Wahlniederlagen des ANC haben die Partei Nelson Mandelas geschockt. Nun steht Südafrika vor stürmischen Zeiten. Der ANC wird mit allen Mitteln die verbliebene Macht verteidigen. Der Leitartikel.  Mehr...

Verlagsveröffentlichung


Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Videonachrichten Politik
Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Anzeige

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung