Über den Sinn von Terror-Warnungen lässt sich streiten. Wer hört, dass etwas geschehen könnte, aber nicht einmal eine Ahnung davon bekommt, was, wann, wo und wie geschehen könnte, fühlt sich eher beunruhigt als gewarnt, in jedem Fall unzureichend unterrichtet.
Die Warnung ist nichts, wonach er sich richten könnte, nicht beim Betreten der U-Bahn, nicht beim Gang durch den Flughafen, nicht beim Aufenthalt im Bahnhof. Warum also warnt dann der Bundesinnenminister, der bisher keine Neigung zur rhetorischen Anti-Terror-Kraftmeierei seiner Amtsvorgänger verriet, die Bevölkerung vor einem Anschlag möglicherweise noch in diesem Monat, also in den nächsten Tagen?
Nur eines ist schlimmer, als bei Vorliegen konkreter Hinweise auf eine Anschlagsgefahr die Öffentlichkeit zu warnen: Sie nicht zu warnen. Wenn schon die Bürger in ihrem Alltagsverhalten auf die Warnung nicht reagieren können, dann wollen sie zumindest sicher sein, dass die Behörden die Gefahr erkannt haben und entsprechend reagieren.
Alle Verschärfungen der Sicherheitsvorkehrungen, die nun im ganzen Land angeordnet wurden, könnten sich als vergeblich erweisen. Aber eine Bombe, die hochgeht, nachdem die Bevölkerung gewarnt worden ist, lässt sich vom Bundesinnenminister mit dem Hinweis auf die Unmöglichkeit umfassender Sicherheit erklären.
Explodierte sie ohne Vorwarnung, müsste der Minister außer seinem Rücktritt nichts mehr erklären. Der Eindruck wäre falsch, aber nicht aus der Welt zu schaffen – dass nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch der Minister von der Katastrophe überrascht worden sei.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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