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23. April 2012

Wahl-Erfolg für Le Pen in Frankreich: Sarkozy - bester Mann der Front National

 Von Jonas Nonnenmann
Außen hui, innen pfui: Marine Le Pen.  Foto: AFP

Die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen strahlt: Mit 18 Prozent hat sie für die Front National ein Traumergebnis geholt. Für den Erfolg darf sie sich bei ihrem Konkurrenten bedanken: Nicolas Sarkozy.

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Die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen strahlt: Mit 18 Prozent hat sie für die Front National ein Traumergebnis geholt. Für den Erfolg darf sie sich bei ihrem Konkurrenten bedanken: Nicolas Sarkozy.

Da steht sie und breitet die Arme aus und strahlt wie eine Präsidentin: Marine Le Pen, außen offenes Gesicht und adrettes schwarzes Jackett, innen die Überzeugung der rechtsextremen Front National.

„Das ist nicht der Schluss, sondern der Anfang“, verkündet sie mit rauchiger Stimme nach dem ersten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahlen, vor ihr jubelnde Anhänger und die Gewissheit, dass sie es allen gezeigt hat.

Ihr vorläufiges Ergebnis: 18 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 80 Prozent, für eine Partei, die ideologisch irgendwo zwischen Republikanern und NPD versumpft.

18 Prozent! Davon träumt Guido Westerwelle wohl bis heute. So viel schaffte nicht einmal Marines Vater Jean-Marie, der Frankreich in Schrecken versetzte, weil er es 2002 in die Stichwahl schaffte. Den Erfolg des alten Le Pen  konnten die Franzosen noch als Schatten einer alten Nazi-Mentalität abtun, als einen Geist aus vergangenen Zeiten.

Die Wähler erkennen die Fälschung

Dieses Mal ist alles schlimmer, und Frankreich darf sich dafür bei einem bedanken: Nicolas Sarkozy. Der versucht an der Macht zu bleiben, indem er Le Pen kopiert: Um ihre Wähler zu klauen, hetzt er wahlweise gegen Roma und Muslime, und als Weihnachtsgeschenk an die Pariser ließ er Bettler aus der Innenstadt vertreiben.

Vorsichtig assistiert hat ihm unser Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), der zusammen mit seinem französischen Amtskollegen angeblich forderte, die europäischen Binnengrenzen in Ausnahmefällen stärker zu kontrollieren. Die Botschaft: Wir tun etwas gegen die Illegalen aus dem Osten.


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Le Pen vertraute darauf, dass die Wähler schon in der Lage seien, das fremdenfeindliche Original, also sie, von der Kopie zu unterscheiden. Offensichtlich zurecht: Sarkozy hat mit rund 27 Prozent zwar ein passables, aber kein überragendes Ergebnis eingefahren und liegt hinter dem Sozialisten Francois Hollande.

Sarkozy macht Le Pen salonfähig

Gleich in zweifacher Hinsicht treibt Sarkozy den rechten Rattenfängern Wähler in die Arme: Einerseits, weil er die verhasste Macht der EU verkörpert. Andererseits macht er durch seine Polemik Le Pens fremdenfeindliche Politik salonfähig.

Früher wählten die Franzosen die Front National verschwitzt, mit schlechtem Gewissen. Wenn jetzt aber sogar der Präsident offen über Ausländer herzieht, das ist die ungewollte Botschaft, dann kannst du auch guten Gewissens Le Pen wählen. Die darf jubeln: Es ist ihr offenbar gelungen, die Partei zu ent-dämonisieren.

Jetzt könnte es noch schlimmer kommen: Weil Sarkozy im zweiten Wahlgang auf die Stimmen Le Pens hofft, ist damit zu rechnen, dass er noch einmal weit nach rechts ausholt.

Tatsächlich kann er es schaffen, auf diese Weise einige der Enttäuschten auf seine Seite zu ziehen: Laut einer Umfrage würden knapp die Hälfte von Le Pens Wählern in der zweiten Runde für Sarkozy stimmen und nur 24 Prozent für Hollande.

Vielleicht kommt der gewiefte Sarkozy durch den Pakt mit dem Teufel noch einmal an die Macht, vielleicht bleibt er stecken in dem braunen Sumpf. Sicher ist: Die Flagge Europas hat er unterwegs besudelt, und die Flecken bleiben.

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